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Anna Lydia Edingshaus von Laßberg bei Prominente im Gespräch

Anna Lydia Edingshaus von Laßberg bei Prominente im Gespräch
Lasen aus "Honignebel": Ulrich Milde, Anna-Lydia Edingshaus von Laßberg und Katharina Weimar (v.l.)

Ich war anders
Anna-Lydia Edingshaus von Laßberg las bei “Prominente im Gespräch” aus ihrem Manuskript “Honignebel”. Auch Dr. Ulf Merbold war unter den Gästen im Weißen Saal des Unteren Schlosses Greiz. Der Abend wurde Günter und Geli Ullmann gewidmet.

GREIZ. Die Veranstaltung “Prominente im Gespräch”, die am Montagabend im Weißen Saal des Unteren Schlosses stattfand, war vor allem von großer Wiedersehensfreude geprägt. Viele der Anwesenden kannten die Publizistin Anna-Lydia Edingshaus von Laßberg noch aus den Zeiten, als sie in Greiz wirkte. Dies wiederum ist um die zwanzig Jahre her. Dennoch verflochten sich an diesem Abend Vergangenheit und Gegenwart so eng, dass man die Geschichte förmlich atmen konnte. Die erste künstlerische Leiterin und Intendantin des Greizer Theaterherbstes stellte gemeinsam mit Schauspieler Ulrich Milde und Katharina Weimar, ehemalige Projektmanagerin des Theaterherbstes, ihren bislang unveröffentlichten Essayband Honignebel vor, der in Wort, Musik und Poesie eine Dokumentation über die Nachwendezeit in Greiz darstellt. Am Cembalo saß Frauenkirchenkantor Matthias Grünert, der die vorgetragenen Textpassagen einfühlsam musikalisch untermalte.
Mit dem Auftrag eines Nachrichtenmagazins in der Tasche, ein Stimmungsbild des Ostens anzufertigen, reiste Anna-Lydia Edingshaus von Laßberg im Jahr 1990 in die neuen Bundesländer. Ihr Weg führte sie damals auch nach Greiz; ihre Bekanntschaft mit dem Astronauten und Ehrenbürger der Stadt Greiz, Dr. Ulf Merbold – der mit seiner Ehefrau Birgit auch zu den Gästen des Abends zählte – hatte sie dazu angeregt. Trostlos und mit einer Depressionsglocke überstülpt beschreibt die Publizistin die Stimmung in der Stadt. Quasi über Nacht hatten fast 5000 Menschen ihre Arbeit in der Textilindustrie verloren. Über die Elsterstadt nur zu schreiben, reichte der Journalistin bald nicht mehr sie regte an, ein soziokulturelles Projekt zu entwickeln, das jungen Leuten parallel dazu Perspektiven aufzeigt. Edingshaus schwebte vor, Werkstätten durchzuführen, in denen professionelle Theaterleute für einige Monate mit jungen Greizern zusammenarbeiten: Die Idee wurde Wirklichkeit – der Greizer Theaterherbst war geboren. Anna-Lydia Edingshaus von Laßberg verschweigt in ihren Aufzeichnungen aber auch nicht die Eindrücke und Gefühle, die ihr entgegenschlugen. Das reichte von Misstrauen über Verachtung bis hin zu hochgradigem Ablehnen. Es gab Momente, da wusste ich nicht mehr ein noch aus, es war einfach zum Davonlaufen, gesteht die Frau. Schließlich fehlten ihr vierzig Jahre DDR-Erfahrung; sie zog sich anders an, sie redete anders, dachte anders: Ich war anders, gibt sie heute zu. Dann noch die Idee, in den abgewickelten und leer stehenden Greika-Hallen Theater zu spielen. Damals sei ein Aufschrei durch die Stadt gezogen. Doch der Langmut und die große Vision in Kopf und Herz ließen die Gastarbeiterin durchhalten und auch der 2. Theaterherbst fand unter großem Niveau statt, wie sie resümierte. So seien die Vogtlandjahre ihre schwersten aber auch beglückendsten gewesen. Warum Anna-Lydia Edingshaus von Laßberg oft nicht über das Klischee der guten Tante aus dem Westen hinauskam, wollte sie unbedingt erkunden. Der damalige Redakteur der Thüringenpost riet ihr, das Buch Levins Mühle von Johannes Bobrowski zu lesen. Das tat die Publizistin auch, brauchte aber noch einmal ein Dutzend Jahre um zu verstehen, was der Journalist meinte.
Anna-Lydia Edingshaus von Laßberg ist zurückgekehrt, was sicher nicht nur dem morbiden Charme der Stadt Greiz geschuldet ist. Die Herzlichkeit, mit der sie hier wieder aufgenommen wurde und die Gewissheit, mit der Gründung des Greizer Theaterherbstes, der nunmehr in seine 21. Saison geht, etwas ganz Besonderes und Beständiges geschaffen zu haben, wird die sympathische Frau auch in Zukunft tragen.
Der Band Honignebel wird wahrscheinlich im Jahr 2014 erscheinen und nicht nur Freunde des Theaterherbstes überzeugen. Ist er doch ein beredtes Zeugnis ostdeutscher Geschichte, die die Autorin mit Sachkenntnis aber auch emotionalem Facettenreichtum aufgeschrieben hat.
Die Lesung wurde unterstützt vom Thüringer Kultusministerium, dem Filmklub “Casino” e.V. Greiz sowie vom Förderverein der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach.
Der Abend wurde von Harald Seidel in Memoriam dem Ehepaar Günter und Angelika Geli Ullmann gewidmet.

Antje-Gesine Marsch @10.09.2012

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