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Aus alten Zeiten: Gründung eines Rettungshauses für Kinder

Aus alten Zeiten: Gründung eines Rettungshauses für Kinder
Im Wohnhaus des Fürstlichen Kammergutes in Waldhaus – heute Thüringer Forstamt – war das erste Rettungshaus untergebracht.

Wohnhaus des Fürstlichen Kammergutes in Waldhaus war die erste Heimstatt für sechs Kinder – Mit Übersiedlung begann die Geschichte von „Carolinenfeld“

GREIZ. Der Wunsch, das Leid von Menschen zu lindern, die am Rande des Gesellschaft stehen oder dorthin gedrängt wurden, ist so alt wie die Menschheit selbst. Auch in der Stadt Greiz gab es bereits vor vielen Jahren derartige Bestrebungen, die sich im Schaffen eines Waisen – und Rettungshauses, einer Kinderbewahranstalt und eines Kinderheimes niederschlugen.
Vor 168 Jahren wurde das Wohnhaus des Fürstlichen Kammergutes in Waldhaus die erste Heimstatt für sechs Jugendliche im Alter von 7 bis 14 Jahren, die „vom rechten Weg“ abgekommen waren.
Im Jahr 1849 hatten fast einhundert Greizer Frauen und Männer, die sich im „Verein für innere Mission“ organisierten, beschlossen, gefährdete Kinder und Jugendliche, die von Bettelei und Diebstahl lebten, der Fürsorge eines sogenannten Rettungshauses anzuvertrauen.
Durch „Unterricht im Sinne Pestalozzis“ und eines geregelten Tagesablaufs sollten sie auf den rechten Weg gebracht werden, um später ihren Lebensunterhalt mit ehrlicher Hand zu verdienen.
Fürst Heinrich XX. Reuß Ältere Linie hatte das Wohnhaus des Fürstlichen Kammergutes in Waldhaus dem Verein zur Nutzung überlassen; zum Hausvater des künftigen Rettungshauses wurde der Seminarist Friedrich Morgeneier benannt.
Viele Spenden Greizer Bürger gingen ein – neben Geldspenden des Fürstenhauses waren es vor allem Sachspenden, wie Betten, Tische, Stühle oder Lampen.
Doch teilte die Fürstliche Kammer dem Vereinsvorstand auch mit, dass die Nutzung des Kammergutes in Waldhaus nur eine kurzfristige sein könne, da das Haus auch künftig für forstwirtschaftliche Zwecke genutzt werden solle.
Damit sei eine Ausdehnung dort nicht möglich. Man wolle sich aber mit dem Fürsten nach einer geeigneten Alternative umschauen, die das soziale Werk des Vereins zukünftig sichere.
Die „einstweilige Eröffnung des Rettungshauses Waldhaus“ könne man trotzdem vornehmen. Am 7. März 1850 war es soweit: Die Vorstandsmitglieder nebst Frauen, Hausvater und Lehrer sowie sechs Kinder aus der Stadt Greiz – zwei Knaben und vier Mädchen – hatten sich versammelt.
Die Kinder wurden der „leitenden Hand des Hausvaters“ übergeben. Die Weihe des Hauses vollzog Superintendent Gustav Schmidt. Die Kinder mahnte er dabei „zu Gehorsam“ und legte ihnen „Zucht und Ordnung“ ans Herz.
Dies mussten ihm die Kinder versprechen und dazu die Hand geben. Mit diesen sechs Zöglingen wurde der Anfang gemacht – 15 Kinder konnten insgesamt in Waldhaus aufgenommen werden.
Doch war man sehr erfreut, noch im Verlauf des Frühjahrs einen neuen Ort für ein Rettungshaus angeboten zu bekommen. Im Mai 1850 fand die Besichtigung der Ziegelhütte in Obergrochlitz statt; schon am 5. Juni steckte man das Terrain ab.
600 Taler wurden für den Bau eines neuen Rettungshauses, das weitere zwanzig Kinder aufnehmen konnte, bereitgestellt.
Bereits im Sommer wurde das ehemalige Wohnhaus der Ziegelei umgestaltet – am 14. November 1850 erfolgte der Umzug in das Wohnhaus der ehemaligen Fürstlichen Ziegelei in Obergrochlitz.
Mit der Übersiedlung beginnt die eigentliche Geschichte: Die des „Carolinenfeld“.

Quellen:
Chronik „150 Jahre Carolinenfeld“
Heimatgeschichtliche Blätter der Greizer Zeitung, 8.11.1933

Antje-Gesine Marsch @06.09.2018

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