Forschung steckt noch in Kinderschuhen

Kriminalist und Buchautor Stephan Harbort
Im Rahmen der Vogtländischen Krimitage referierte der Kriminalist und Buchautor Stephan Harbort vor 160 Gästen in der Aula des Ulf-Merbold-Gymnasiums Greiz.

Stephan Harbort führte jahrelang Interviews mit Serienmördern. Am Donnerstag sprach er im Rahmen der Vogtländischen Krimitage vor 160 Gästen in der Aula des Greizer Gymnasiums
GREIZ. „Grenzüberschreitend“ nannte Petra Steps, Organisatorin der Vogtländischen Krimitage die Gemeinschaftsveranstaltung mit der Greizer Bibliothek, die am Donnerstagabend in der voll besetzten Aula des Ulf-Merbold-Gymnasiums stattfand. Zum ersten Mal machte das Krimifestival, das dreißig Veranstaltungen an 26 Orten bietet, im thüringischen Greiz Station. Gast des Abends war der Düsseldorfer Kriminalist, Buchautor und Experte für Serienmorde, Stephan Harbort. In den Jahren 1997 bis 2011 führte er in Justizvollzugsanstalten und psychiatrischen Krankenhäusern Interviews mit verurteilten Serienmördern. Natürlich drängt sich dabei die Frage auf, was einen Menschen dazu bringt, so intensiv in die Psyche von Straftätern hinein zu dringen, um auch die letzten Verborgenheiten aus den kranken Hirnen zu erschließen. Das geht auf einen Kriminalfall zurück, den ich als junger Kriminalstudent vor zwanzig Jahren erlebte, erklärte Harbort. Damals hatten zwei junge Männer innerhalb weniger Monate drei Menschen getötet, um forciert erben zu können. Diese Kaltblütigkeit, mit der sie die Gräueltaten schilderten fand der Profiler zum einen abstoßend, zum anderen machte es ihn neugierig: Wie wird man so? Was wissen wir überhaupt über Serienmörder? Er musste feststellen, dass man im Grunde nichts wusste. Es gab wenig Literatur und kaum Forschungsergebnisse. So bereiste Harbort ganz Deutschland, verschaffte sich Akteneinsicht, kopierte tausende Aktenblätter, studierte sie und arbeitete fünf Jahre unauffällig. So entwickelte sich die Idee, auch den persönlichen Kontakt zu suchen, wobei er wunderbare und leidvolle Erfahrungen zugleich sammelte. Dabei sei er besonders auf die Opferproblematik gestoßen. Die Opfer verdrängen oft das Ereignis, die Umwelt schweigt dazu, weil man sich überfordert fühlt, weiß der Kriminalist. Zudem wolle das Opfer nicht stigmatisiert werden. Er verlas ein Protokoll, in dem Angela, eine litauische Prostituierte über ihr persönliches Schreckensszenario berichtete. Die größte Bürde, die die Opfer tragen ist der Verlust ihrer Sicherheit, wie der Profiler einschätzt. Auch käme von staatlicher Seite wenig Hilfe. Den Satz So etwas kann mir nicht passieren gebe es nicht, ebenso wenig den Mantel der Unantastbarkeit. Dabei habe es sich anhand zahlreicher Recherchen gezeigt, dass es den Opfer n mit reden, reden, reden oft gelang, die Täter von ihren Absichten abzuhalten. Niemals drohen!, warnte Harbort. Das mache sie noch aggressiver. Sachlich und völlig ohne Effekthascherei schilderte der Kriminalist außerdem einige Mordfälle, zitierte aus Polizeiberichten und ließ sogar einen Täter mittels Tonbandmitschnitt zu Wort kommen. Natürlich gehe er mit gemischten Gefühlen zu den Interviews, doch würden diese nach seinen Spielregeln auf sachlicher Ebene stattfinden. Im Gegenzug die Opfer zu Wort kommen zu lassen, helfe diesen Menschen oft, sei jedoch kein Königsweg. Wir sollten uns allerdings auch oft in Demut üben, denn das Thema Serienmörder und wie man dazu wird, steckt noch in den Kinderschuhen.

Antje-Gesine Marsch @31.05.2012

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