Bücherwurm: Weiße Streifen auf weißem Grund

Höchst vergnügliche Lesung mit Musik beim Prominentengespräch im Greizer „Bücherwurm“

GREIZ. Ob nun die zahlreichen Gäste zu „Prominente im Gespräch“ wegen des Jazz oder wegen der Literatur gekommen waren, bleibt wohl ein Geheimnis. Allerdings sparten sie weder beim Einen noch beim Anderen mit kräftigem Beifall.

Eingeladen hatte Harald Seidel diesmal Sebastian Schwarz, Michael Kind und, in Vertretung für den erkrankten Georg Uecker, Robert Beyer – allesamt Bühnenund Fernsehdarsteller.
Das gutgelaunte Trio las Yasmina Rezas Stück „Kunst“, das davon handelt, wie eine langjährige Männerfreundschaft durch den Kauf eines Bildes hart auf die Probe gestellt wird.

Serge (Robert Beyer) hatte für ein „weißes Bild mit weißen Streifen“ 200 000 Francs bezahlt.
„Ein Ölgemälde von etwa ein Meter sechzig auf ein Meter zwanzig, ganz in Weiß. Der Untergrund ist weiß, und wenn man die Augen zusammenkneift, kann man feine weiße Querstreifen erkennen“, so beschreibt Marc (Michael Kind) das Gemälde.
Serge verteidigt vehement seine Entscheidung, Marc attackiert ihn, Yvan (Sebastian Schwarz) versucht zu vermitteln.

Es kommt schließlich zum verbalen Männer-Gerangel in einem äußerst turbulenten, selbst handgreiflichen und schließlich auch wieder versöhnten Strudel der verletzten Gefühle. Schwarz erhielt sogar Szenenapplaus in seinem mit viel Leidenschaft vorgetragenen Statement, warum er zum geplanten Treffen zu spät kommt.
Als es schließlich scheint, dass die drei Freunde wieder vernünftig miteinander kommunizieren können, kommt es zum Höhepunkt:
Marc zeichnet auf das hochdotierte Gemälde mit Filzstift einen kleinen blauen Skifahrer.

„Ich habe das Buch ’Kunst’ gelesen, aber was die drei Schauspieler heute hier boten, war eine Bestleistung, ich habe mich köstlich amüsiert“, wie Regina Hanke aus Greiz sagte.

Die Lesung wurde musikalisch umrahmt von Uli Blumenstein (Trompete), Christoph Beer (Klarinette) und Harald Seidel, der in die Bass-Saiten griff.
Das Trio konnte dem höchst vergnüglichen Leseabend auch eine ganz besondere musikalisch-kreative Note geben.

Antje-Gesine Marsch @ 25.02.2011