Bildbeschreibung → Ida-Waldhaus, das Fürstliche Jagdschloss in einer Abbildung aus dem Jahre 1897.

Damals in Waldhaus…

Im Jahr 1873 ließ der letzte regierende Fürst, Heinrich XXII. Reuß Ältere Linie in Waldhaus ein Fürstliches Jagdschloss bauen – Heute verfällt es

WALDHAUS. Wer heute im Naherholungszentrum Waldhaus einen ausgedehnten Spaziergang macht, stößt in der Nähe des Kinderspielplatzes und der NABU-Station auf ein Gebäude, das nur noch in Resten stehend und marodem Zustand sicherlich schon bessere Tage gesehen hat.
Im Jahr 1873 ließ der letzte regierende Fürst, Heinrich XXII. Reuß Ältere Linie ein Fürstliches Jagdschloss erbauen, dessen Namensgeberin Fürstin Ida, geb. Prinzessin von Schaumburg-Lippe und Gemahlin des Fürsten war.
Als Architekt fungierte Landbaumeister Oberländer, die Bauausführung hatte Maurermeister Heinrich Hoffmann übernommen.
Einer der Seitentürme des Gebäudes war wie eine gläserne Kanzel ausgebaut und gab den Blick die Wiese hinab zum Waldgrund frei.
Nach dem Tod Heinrich XXII. wurde das Gebäude nicht mehr als Jagdschloss genutzt, sondern diente in seiner wechselvollen Geschichte unter anderem als Genesungsheim, Gaststätte oder wurde durch die Forstverwaltung genutzt. Seit dem Jahr 1995 befindet sich das ehemalige prächtige Schloss, dessen Hauptteil abgerissen wurde, im Leerstand und verfällt zunehmend.
In den 1950er und 60er Jahren fand die Betriebsberufsschule “Magnus Poser” des Staatlichen Forstwirtschaftsbetriebes Weida in dem Gebäude sein Domizil.
Bis Mitte der 1930er Jahre war der Forstarbeiterberuf ein ungelernter Beruf, der finanziell keine sehr günstige Ertragsquelle darstellte. (Im Jahr 1939 betrug der Stundenlohn 50 bis 65 Pfennige.) Der Broterwerb der „Waldarbeiter“ oder „Holzmacher“ war umso kärglicher, als Waldarbeit früher Saisonarbeit war.
Im Winter wurde Holz geschlagen, im Sommer suchten die Arbeiter ihr Unterkommen im Bauhandwerk oder in der Landwirtschaft. Das Handwerkszeug, wie Axt, Handsäge oder Schäleisen musste sich der Waldarbeiter früher selbst kaufen. Als Mitte der 1930er Jahre die ersten Motorsägen (Dolmer und Stihl) aufkamen, bedeutet das zwar eine Arbeitserleichterung, doch wer damit arbeiten wollte, musste diese Geräte selber kaufen.
Das Fürstliche Jagdschloss diente, wie bereits erwähnt, den verschiedensten Nutzungen. Am 1. September 1954 öffnete das Haus seine Pforten für junge Leute, die hier den Forstfacharbeiterberuf erlernen wollten. Die Schule trug fortan den Namen des antifaschistischen Widerstandskämpfers Magnus Poser (1907-1944).
Die durchschnittlich 20 weiblichen Lehrlinge wohnten im sogenannten „Mädchenhaus“, die rund 55 Jungen im Hauptgebäude. Die solide eingerichteten Zimmer beherbergten zwei, vier, sechs oder sieben Jugendliche, heißt es in einem Artikel von Anita Waldmann aus dem Jahre 1963: „Dass Duschräume und Waschgelegenheiten vorhanden sind, versteht sich von selbst. Öfen und Kamine, die sich mit großen Holzscheiten geheizt vielleicht in einem Jagdschloss anheimelnd präsentierten, mussten vor einigen Jahren einer Zentralheizung weichen. Die Mahlzeiten werden gemeinsam eingenommen, Lese-und Clubraum mit Fernsehapparat nach Bedarf genutzt. Ein Kulturhaus wurde gebaut, in dem sich auch die Unterrichtsräume befinden“, heißt es in dem Aufsatz weiter.
Um das Ausbildungsziel an der BBS „Magnus Poser“ zu erreichen, lernten die Abgänger der 8. Klasse drei Jahre, die der 10. Klasse zwei Jahre. Die Lehrlinge kamen aus dem damaligen Bezirk Gera, aber auch dem ehemaligen Chemnitz, Erfurt oder Dresden nach Waldhaus. Die praktische Arbeit begann mit leichten Arbeiten, wie Jungwuchspflege oder Schlagen schwacher Stangenhölzer. Es folgten im Winter Holzeinschlagsarbeiten, im Frühjahr die Wiederaufforstung. Es schloss sich die Kulturpflege an. Im zweiten Lehrjahr erfolgte in der Regel der Einsatz in starkem Holz, der Einsatz von Motorsägen und Pflanzlochbohrern. Mädchen durften keine schweren Hebe-und Tragearbeiten durchführen, auch nicht die Motorsäge bedienen.
Nach der Lehrzeit gingen die jungen Forstfacharbeiter in ihre Heimatbetriebe zurück. Entsprechend ihrer Leistungen konnten sie sich dort zu Brigadieren und Meistern qualifizieren. Die besten Facharbeiter hatten auch die Möglichkeit, sich zum Forstingenieur oder Diplomforstingenieur zu entwickeln. Der theoretische Unterricht sah damals allerdings keine „Wildpflege“ vor und im Praktischen auch keinen „Pirschgang“. „Der Forstfacharbeiter ist kein Weidmann“, so Anita Waldmann in ihren Ausführungen. „Die Jagd ist ausschließlich Sache der Jagdgesellschaften“.
Nach Feierabend gab es in Waldhaus auch etliche Möglichkeiten der Freizeitgestaltung: die Mitglieder der Sektion Motorsport der GST (Gesellschaft für Sport und Technik) konnten hier die Fahrerlaubnisprüfung I in Angriff nehmen und die Freunde des Schießsports kamen auch auf ihre Kosten.
Die BSG Traktor Waldhaus mit den Sektionen Leichtathletik, Fußball und Tischtennis war längst über die Ortsgrenzen hinaus bekannt geworden. Auch die seltene Sportart Bogenschießen wurde in Waldhaus gepflegt. Foto-und Ornithologie-Interessierte gab es ebenfalls eine Vielzahl.
Auf kulturellem Gebiet wären die Hörner-und Musikgruppe zu nennen.
Auch den Anrechtstag des Theaters der Stadt Greiz nutzten die Lehrlinge und gingen geschlossen zu den jeweiligen Veranstaltungen.

Quelle:
Anita Waldmann, Greizer Heimatkalender 1963

Antje-Gesine Marsch @09.08.2018

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