Die barocke Heuscheune auf den Hammerwiesen

Fürstlich Greizer Park
Die Hammerscheune auf den Hammerwiesen im Fürstlich Greizer Park. Aufnahme von Anfang Oktober 2015.

Im Jahr 1990 erhielt die marode Hammerscheune einen originalen Nachfolgebau

GREIZ. Wer kennt nicht das völlig mit Schiefer verkleidete Häuschen auf den Hammerwiesen im Greizer Park nahe dem Parkausgang zur Leonhardtstraße? Das kleine, seltene Bauwerk kann, auch wenn es „nur“ eine Scheune ist, durchaus als kleines Haus bezeichnet werden – die besondere Bauweise ist dafür Rechtfertigung genug: im Grundriss achteckig, so dass das Bauwerk wie ein Rundbau wirkt, eine achteckige, schieferverkleidete Haube mit langer Spitze. Zum Parkweg zeigte eine hölzerne Tür.
Diesen Anblick bot das auch „Hammerscheune“ genannte Häuschen bis zum Jahr 1990, da wurde es abgetragen, um im Spätherbst des gleichen Jahres in neuem „alten „Glanz zu erstrahlen.
Auch wenn die Greizer meinen, die Hammerscheune habe „schon immer“ hier gestanden, wäre es gut, man könnte auf schriftliche Überlieferungen verweisen, doch die gibt es leider nicht. Auch in alten Beschreibungen des Reußenlandes fand der imponierende Achteckbau keinerlei Erwähnung, denn er war weder Repräsentationsbau des Landesherren, noch ein für ihn bedeutungsvoller Handwerksbetrieb. So können Denkmalschützer oder Heimatfreunde lediglich sagen, dass die Scheune Ende des 18. Jahrhunderts gebaut wurde, um darin Material für den damaligen Wildpark zu lagern. Die Besonderheit dieses kleinen Bauwerkes erkennend, wurde es im Jahr 1977 in die Denkmalschutzliste des Kreises Greiz aufgenommen.
Doch nagte der Zahn der Zeit in den letzten zweihundert Jahren enorm an diesem Gebäude – sicher auch einer Vernachlässigung der Werterhaltung geschuldet – und man entschloss sich im Jahr 1989, die Hammerscheune abzureißen.
Anfang 1990 wurde sie abgetragen. Man nahm von der alten Scheune gewissenhaft die unterschiedlichen Maße ab und fotografierte sie aus allen Lagen. An gleicher Stelle entstand im gleichen Jahr ein Neubau, der in Aussehen und Bauweise dem Vorgängerbau entspricht. Die alten Balken allerdings konnten nicht mehr wiederverarbeitet werde – zu altersschwach waren sie geworden. Erfahrene Handwerker brachten ihre Sachkenntnis und ihr Geschick ein und bauten wie vor zweihundert Jahren die Hammerscheune wieder auf. Hierzu gehört die Holzkonstruktion in Achteckform mit gewölbter Haube; allein 70 Balken in dreißig verschiedenen Abmessungen waren dabei erforderlich, ebenso Holznägel verschiedenster Dimension. Die Kompliziertheit der Aufgabe ließ den Handwerkern allerdings nicht mehr viel Zeit. Zimmermeister Popp aus Kleinreinsdorf hatte vor fast 25 Jahren mit vier Mann acht Wochen lang zu tun. Für die Dachdeckerarbeiten zeichnete sich Obermeister Bernd Wezel verantwortlich. Klempnermeister Zwilling aus Dölau fertigte die Turmspitze – allerdings aus Kupfer und nicht aus Zinn.

Antje-Gesine Marsch @23.09.2014
Quelle: Anita Waldmann, HB 5/90