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Elly-Viola Nahmmacher: 35 Jahre Kreuzweg

Bildhauerin Elly-Viola Nahmmacher
Elly-Viola Nahmmacher mit der Arbeit "Feuervogel" im Jahr 1993. Foto: Museen der Schloss-und Residenzstadt

Vor genau fünfunddreißig Jahren wurde in der Katholischen Herz-Jesu-Gemeinde erstmals der Kreuzweg der Greizer Bildhauerin Elly-Viola Nahmmacher offeriert

GREIZ. Wenn in diesen Tagen die Katholische Kirche nach umfangreichen Renovierungsarbeiten in neuem Glanz erstrahlt, ist diese Brillanz auch mit einem ganz besonderen Datum verbunden: Auf den Tag genau – vor fünfunddreißig Jahren – wurde in der Herz-Jesu-Gemeinde erstmals der Kreuzweg der Greizer Bildhauerin Elly-Viola Nahmmacher offeriert
In vierzehn Reliefs aus Lindenholz stellte die Künstlerin die Stationen des Leidensweges Jesu dar.
1983 begann Elly-Viola Nahmmacher diesen Kreuzweg zu schnitzen. Er sollte zur schärfsten Herausforderung avancieren, wie Werkskenner und -verwalter Winfried Arenhövel vor Jahren einmal sagte. “Wunden geben Gestalt” habe die Künstlerin damals in einem Brief an eine Freundin geschrieben.
Als im heißen Herbst des Jahres 1976 zahlreiche Veränderungen das Land übersäten und es sie drängte, für Pfarrer Oskar Brüsewitz, der sich in Zeitz öffentlich verbrannte, das Grabmal “Feuerapokalypse” zu schaffen, wurde ihr zum ersten Mal klar, dass sie im Visier der Staatssicherheit stand. Sie überfiel grenzenlose Angst, weil Nachbarn und Freunde sie bespitzelten.
In den Kreuzweg, den sie 1984 beendete, hatte Elly-Viola Nahmmacher alle eigenen Kreuze hinein geschnitzt. Die Arbeit fiel ihr physisch und mental zunehmend schwerer, doch sei sie glücklich gewesen, als am 11. April 1984 der Kreuzweg im Katholischen Gotteshaus seinen Platz gefunden hatte. “Er ist gut geworden”, wie sie damals befand.
Im Rahmen der Renovierungsarbeiten wurde der Greizer Restaurator Heiko von Bogen mit der Aufgabe betraut, den Kreuzweg zu reinigen und die Oberfläche zu konservieren. “Eine spannende und beeindruckende Arbeit, vor allem, wenn man die geschichtlichen Hintergründe dazu kennt”, gestand der junge Mann im Gespräch.
Zu Ostern wird man in der mit einem neuen Farb-und Beleuchtungskonzept ausgestatteten Kirche den Kreuzweg wieder bewundern können.

Hintergrund:
Die einzelnen Stationen:
1 Jesus wird zum Tode verurteilt
2 Jesus nimmt das Kreuz auf seine Schulter
3 Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz
4 Jesus begegnet seiner Mutter
5 Simon von Zyrene hilft Jesus das Kreuz zu tragen
6 Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
7 Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz
8 Jesus begegnet den weinenden Frauen
9 Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuzigung
10 Jesus wird seiner Kleider beraubt
11 Jesus wird ans Kreuz genagelt
12 Jesus stirbt am Kreuz
13 Jesus wird vom Kreuz genommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt
14 Der heilige Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt

Zur Geschichte der Kirche:
Die erste Kirche stand an der Elsterfurt, etwa dort, wo sich die jetzige Stadtkirche befindet. Sie muss kurz nach der ersten Erwähnung der Greizer Burg (1209) gegründet worden sein.
Nach der Reformation war es dann die aus Frankreich stammende Fürstin Gasparine, die 1822 wieder eine katholische Gemeinde begründete. Ihr Mann, Fürst Heinrich XIX. stellte die Porzellanrotunde (erbaut zur Ausstellung japanischen und chinesischen Porzellans) im Greizer Park als Kapelle zur Verfügung. Sie war den “Drei heiligen Königen” geweiht.
Die Gemeinde entwickelte sich in der wirtschaftlich aufblühenden Stadt. 1897 wurde endlich die Gründung der Gemeinde behördlich genehmigt. Daraufhin siedelte Pfarrer Hackethal aus Reichenbach nach Greiz über. In der Gaststätte “Hopfenblüte” konnten eine Kapelle und eine Priesterwohnung eingerichtet werden.
1898 wurde der Cäcilienchor gegründet. Später wurde in der Carolinenstraße 28 das Büttnersche Haus erworben. In einem Seitenflügel wurde die Kapelle eingerichtet.
Anfang der 30er Jahre reichte auch die katholische Kapelle für die immer größer werdende Gemeinde nicht mehr aus. Die neue Kirche wurde allerdings anders als geplant. Die an die Macht gelangten Nationalsozialisten genehmigten nur einen nüchternen Zweckbau, der nach der Lösung der “Kirchenfrage” in ein Kino umgewandelt werden konnte.
Nach verschiedenen Hindernissen konnte sie 1938 endlich konsekriert werden und erhielt den Namen “Herz Jesu”. Durch die Wirren des 2. Weltkrieges verschlug es zahlreiche Flüchtlinge nach Greiz, die auch die Kirchenbänke sehr zahlreich füllten. Auch nach dem Krieg kamen noch unzählige hinzu.
Die Zahl der Gläubigen wuchs auf 8000 an. So kam im Jahre 1946 der erste Kaplan nach Greiz. Es folgten Jahre des Neuaufbaus mit der Einrichtung von Kapellen in Neumühle und Langenwetzendorf. Die zur Pfarrei gehörenden Katholiken in Elsterberg und Umgebung wurden seit 1947 bis 1962 von Pfarrer Neumann (gest. 1979) betreut.
Große Schäden verursachte das Hochwasser 1954 in der Stadt. In unserer Kirche stand das Wasser 1,10 Meter hoch. Auch der Kauf des bis 1999 genutzten Altenheims “St. Martin” fiel in dieses ereignisreiche Jahr. Anfang 1957 erhielt dann die Kirche eine Orgel, die 1982 erneuert und vergrößert wurde. In die Zeit der 1960er Jahre fiel die Auseinandersetzung mit den Neuerungen des II. Vatikanums, die Gründung des ersten Pfarrgemeinderates und der Beginn der Ökumene in unserer Stadt.
In den folgenden Jahren waren zahlreiche Renovierungsarbeiten, Um- und Ausbauten des Gemeindehauses notwendig. Das gemeinsame Tun in dieser Zeit schweißte die Gemeinde fester zusammen. Auch die Zusammenarbeit mit den anderen christlichen Gemeinden der Stadt vertiefte sich. Zu einem Politikum entwickelte sich eine Buchlesung des damals in Greiz wohnenden Dichters Reiner Kunze in unserer Kirche.
Anfang der 1980er Jahre wurde die Kirche nach den Beschlüssen des II. Vatikanischen Konzils umgestaltet und die Orgel rekonstruiert. Der von der Greizer Bildhauerin Elly-Viola Nahmmacher gestaltete Kreuzweg erinnert seit 1984 an unseren gemeinsamen Weg mit Christus.
Zum Katholikentag 1987 in Dresden hatten sich auch zahlreiche Greizer auf den Weg gemacht.
Mit dem Jahr 1989 kam eine Zeit der Veränderung und der Öffnung. Zum Friedensgebet fanden sich am 9. Oktober (zusätzlich zum Gebet in der überfüllten Stadtkirche) 600 Menschen zusammen. Im Sommer 1990 fand die Religiöse Kinderwoche erstmals ökumenisch statt. 1991 lud das erste Ökumenische Straßenfest zur Begegnung ein.
1995 gestalteten Mitglieder der evangelischen und katholischen Gemeinde den Kindergottesdienst im Dresdner Eisstadion anlässlich des Katholikentages. Von 1994 bis 1996 wurde das Gemeindehaus in mehreren Bauabschnitten umgestaltet.

Quelle: Festschrift zum 100 jährigen Bestehen der Herz-Jesu-Gemeinde aus dem Jahr 1997

Antje-Gesine Marsch @11.04.2019

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