Bildbeschreibung → Mit drei Exponaten beteiligt sich der Verein "Technische Zeitzeugen" an der Ausstellung "Industriekultur" ( 6. Juni bis 9. Sptember) in der Pößnecker Shedhalle. Ein Webstuhl (Plarre um 1915) wurde zudem vom stellvertretenden Vereinsvorsitzenden, Olaf Schreiber, privat zur Verfügung gestellt.

Erlebnis Industriekultur: Greizer Verein “Technische Zeitzeugen” präsentiert Exponate in Pößneck

Seit 6. Juni findet in der Pößnecker Shedhalle die Leitausstellung “„Erlebnis Industriekultur – Innovatives Thüringen seit 1800“ statt – Auch der Greizer Verein “Technische Zeitzeugen” ist dabei
PÖßNECK/GREIZ. Es gab eine Zeit, da blühte in der Residenzstadt Greiz die Industrie. Textil, – Papier – und Braukunst standen hoch im Kurs. Die Industrialisierung hielt Einzug und damit auch Maschinen, die den Angestellten nicht nur die Arbeit erleichterten, sondern auch die Produktionsergebnisse erheblich steigerten. Den Ausgang der Geschichte kennt wohl jeder.
Heute stellen die Maschinen lediglich Zeitzeugnisse dar – viele wurden längst verschrottet oder dämmern in alten Lagerhallen und längst verlassenen Fabrikgebäuden vor sich hin.
Diese Technik vor der endgültigen Vergessenheit zu bewahren und auch künftigen Generationen zu zeigen, wie in “alten Zeiten” produziert wurde, haben sich der Greizer Konrad Wiedemann und der Triebeser Olaf Schreiber auf die Fahnen geschrieben und holten sich bereits eine Anzahl von Interessierten mit ins Boot.
Weil man in Greiz kein technisches Museum besitze und in puncto personeller und räumlicher Möglichkeiten auch keines plane, wollte man vor knapp zwei Jahren “einen Anfang machen” und gründete den Verein “Technische Zeitzeugen”.
Wie Konrad Wiedemann betont, richte man den Fokus der Arbeit nicht nur auf die Textilindustrie der Stadt Greiz und der gesamten Region, sondern auch auf die Metall-und Papierindustrie sowie das Brauereiwesen.
Besonders stolz zeigen sich die engagierten Vereinsmitglieder, dass in der seit 6. Juni in der Pößnecker Shedhalle gezeigten Leitausstellung „Erlebnis Industriekultur – Innovatives Thüringen seit 1800“ auch Exponate aus Greiz zu sehen sind, die der rührige Verein, respektive der Privatmann Olaf Schreiber zur Verfügung stellen. Mehr als fünfhundert Schauobjekte – präsentiert in sieben Themenschwerpunkten – spiegeln dabei erstmals zusammenhängend den aktuellen Stand der Geschichtsforschung wider.
“Wir trafen in Weida beim Besuch der ehemaligen Textilfabrik der Gebr. Pfeifer den Kurator, Dr. Andreas Christoph”, sagt Konrad Wiedemann.
So kam die Sache ins Rollen und Olaf Schreiber organisierte den Transport seiner Schützen-Webmaschine der Maschinenfabrik H. A. Plarre, Greiz, 1915, nach Pößneck. “Unser Verein ist auch im Besitz zweier Webstühle, doch die stehen in der ersten Etage unseres Greizer Domizils; meine private war einfacher zu befördern”, erklärt Olaf Schreiber.
Offeriert wird in Pößneck zudem eine Webeblattbindemaschine der Textilmaschinenfabrik Otto Spaleck Greiz, um 1880. Im Jahr 1811 wurde in Greiz die erste mechanische Spinnerei in Betrieb genommen; es folgte 1850 die erste Dampfmaschine. Ab dem Jahr 1862 begann die industrielle Textilproduktion mit der Aufstellung von vier mechanischen Webstühlen in der Weberei von Johann David Löffler. 1868 verzeichnete man bereits 200 Webstühle; bis 1910 stieg die Zahl auf 12.500 Maschinen.
“Das Vogtland avancierte somit zur stärksten industriellen Region Europas”, wie Olaf Schreiber weiß. Greiz wies um 1900 die stärkste Millionärsdichte Deutschlands pro Einwohner auf – so enorm groß gestaltete sich der Gewinn der Textilfabriken. “Das steht allerdings nicht nur für die Entwicklung der Stadt Greiz, sondern allgemein für die Industriealisierung”, so der Fachmann.
Was ihm dabei ganz wichtig ist: “Dieses Erbe ist nicht nur Last, sondern erfüllt uns auch mit Stolz und Respekt vor dem Geleisteten.”
Übrigens: Am 22. August wird der Verein “Technische Zeitzeugen” der Ausstellung “Industriekultur” in Pößneck einen Besuch abstatten. Wer Interesse hat mitzufahren, kann sich gern bei Konrad Wiedemann melden: Tel.: 03661 – 43 11 83.

Antje-Gesine Marsch @27.07.2018

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