Gedenkstätte für Tot- und Frühgeburten: Ein Ort zum Trauern

Gedenkstätte für Tot- und Frühgeburten: Ein Ort zum Trauern
Die Grabstätte für totgeborene Kinder, Fehlgeburten und Föten aus Schwangerschaftsabbrüchen auf dem Greizer Hauptfriedhof.

Erinnerung: Gedenk- und Trauerfeier für Totgeburten fand am Samstag auf dem Greizer Friedhof statt

GREIZ. Die weiße Stele ist von Blumen umgeben; rote und weiße Grabkerzen und Lichter stehen neben kleinen Plüschtieren und Engelsfiguren – ein Gesteck ziert die Grabstätte mittig.
An diesem Ort auf dem Greizer Hauptfriedhof ruhen totgeborene Kinder, Fehlgeburten und Föten aus Schwangerschaftsabbrüchen. Seit dem Jahr 2003 haben an diesem Ort zahlreiche Betroffene an ihre still geborenen Kinder gedacht und Abschied genommen. Jährlich am 3. Samstag im November, kurz vor dem Totensonntag, fand in der Trauerhalle eine Gedenkstunde statt – organisiert von Pfarrerin Regina Scriba-Lattek, dem Greizer Krankenhaus, dem Kirchenkreis Greiz sowie der Diakonie-Beratungsstelle. Einige Tage vorher wurde der kleine Sarg anonym beigesetz.

Der Umgang mit fehlgeborenen Kindern sei in der Gesellschaft leider immer noch ein Tabuthema, wie die Geistliche sagt. Während der Schwangerschaft verstorbene Kinder mit einem Gewicht von weniger als 500 Gramm und Föten aus Schwangerschaftsabbrüchen müssten laut Bestattungspflichtgesetz eigentlich nicht beerdigt werden. Doch findet es Frau Scriba-Lattek immens wichtig, verwaisten Eltern einen speziellen Ort der Trauer und des Abschiednehmens zu geben und mit einer menschenwürdigen Beisetzung einen Ort des Erinnerns zu schaffen. „Aus der Wertschätzung des Lebens heraus“, wie sie betont.

Dabei sei es nicht von Wichtigkeit, ob dieses Ereignis erst kürzlich passierte oder Jahre zuvor geschah. „Die Trauer über den Verlust eines Kindes kann Eltern ein Leben lang begleiten“, wie sie weiß. Die Sensibilität für diese Thematik sei erst erwacht; oft hätten Eltern nach einer Fehl-oder Totgeburt zu spät daran gedacht, was mit ihrem Kind passiert und vor allem, wo es ist. Pfarrerin Scriba-Lattek hat immer wieder auch Mütter, Väter und Großeltern getroffen, die ihr Kind schon vor Jahrzehnten verloren haben, ohne dies jemals richtig verarbeiten zu haben.
Mit der Gedenkstätte für Tot- und Frühgeburten habe man einen Ort geschaffen, endlich in Ruhe trauern zu können.

Antje-Gesine Marsch @28.11.2017

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