Greiz ist ein harter Brocken

Jahreshauptversammlung des Vereins Greizer Neustadt e.V.
Jan Popp, Vorstandsmitglied des Neustadtvereins Greiz, (2.v.l.) begrüßt die Gäste, darunter auch Bürgermeister Gerd Grüner (re. daneben)

Statt des geplanten Neustadtrundgangs mit dem Greizer Bürgermeister wurde kurzerhand ins ehgemalige TWG-Gebäude zu einem Vortrag der TLUG eingeladen

GREIZ. Zur Jahreshauptversammlung des Vereins Greizer Neustadt e.V. Ende Februar äußerten viele Vereinsmitglieder, dass es von städtischer Seite zu wenig Information zum aktuellen Stand des Hochwasserschutzes gebe. Auch die avisierte 2. Info-Veranstaltung der Stadt Greiz gemeinsam mit der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG) habe es bislang nicht gegeben, hatten einige Redner bemängelt. Zumindest einen Zwischenstand der Arbeit der TLUG habe man erwartet. “Wir sind als Vorstand auch weiterhin bemüht, an Informationen heranzukommen”, hatte der Vereinsvorsitzende Steffen Dinkler versprochen und Vertreter der Landesanstalt zum traditionellen Neustadtrundgang mit dem Greizer Bürgermeister Gerd Grüner (SPD) eingeladen.
Am Mittwochabend gab es zunächst eine kleine Programmänderung. Statt des Rundgangs wurden die knapp dreißig Gäste in des Gebäude der ehemaligen TWG in der Rosa-Luxemburg-Str. 71 eingeladen. Dort hatten Thomas Kleinert und Frank Schirmer von der TLUG einen Vortrag vorbereitet, der die Thematik „Hochwasserschutz in Greiz“ zum Inhalt hatte. So ein verheerendes Hochwasser wie 2013 wolle man nicht noch einmal erleben, führte Steffen Dinkler in die Veranstaltung ein.
In seinem Vortrag ging TLUG-Gebietsreferent Thomas Kleinert auf den derzeitigen Stand der Hochwasserschutzmaßnahmen für die Stadt Greiz ein – verschwieg aber auch nicht, dass Greiz „ein harter Brocken“ sei – neue Bemessungswerte erfordern ein grundsätzliches Umdenken.

Zwei Grundvarianten gebe es: das Profil der Weißen Elster aufzudehnen und den gesamten Abfluss unter dem HQ 100 durch Greiz zu leiten – oder einen Flutkanal zu bauen, der das Wasser im Ernstfall „umleitet“. Die Profilerweiterung des Flussbettes bringe mit sich, dass beispielsweise im Bereich des Elstersteigs eine 2,20-Meter hohe Stützmauer gebaut werden müsse, erklärte Kleinert. Diese Variante sei allerdings nicht „stadtbildverträglich“. Um die Greizer Brücken herum mobilen Hochwasserschutz innerhalb von vier bis sechs Stunden aufzubauen, sei „quasi unmöglich“ und absolut nicht sicher. Auch seien die Kosten mit zehn Millionen Euro „relativ hoch“. Andererseits könne man die Spiel-und Freizeitflächen, die sich bereits entlang der Weißen Elster befinden, gut in die Planung einbeziehen: „Wasser als erlebenswertes Element“, so Thomas Kleinert.

Die zweite Variante – die der TLUG-Experte zunächst für abenteuerlich hielt, nach einer Machbarkeitsstudie allerdings für realisierbar – wäre ein sogenannter Umfluter, eine künstlich geschaffene „Umleitung des Wassers“, bei der ein Teil um die zu schützende Greizer Altstadt herumgeleitet würde. Konkret hieße das das – der Kanal würde entlang des Viadukts, über die Gleisanlage bis zum Gebäude Arbeitsamt in der Bruno-Bergner-Straße führen. Mit 25-30 Millionen Euro schlage diese Maßnahme zu Buche, wie Thomas Kleinert informiert.

Leider konnte der TLUG-Mitarbeiter an diesem Abend keine Auskünfte darüber geben, für welche Variante man sich letzlich entscheide, wann der Baubeginn wäre und wie es überhaupt in puncto Hochwasserschutz konkret weitergeht. Zwar sei er „guten Mutes“, könne aber keine Aussagen darüber treffen. Besonders die anwesenden Gartenbesitzer aus der Kleingartenanlage „Flügelrad“ zeigten sich enttäuscht. „Ich habe meinen Garten schon 38 Jahre“, wie es eine Greizerin beschrieb. Seit drei Jahren hänge man „in der Luft“ und wisse nicht, ob es sich lohne, den Garten weiter zu bewirtschaften. Mit allen betroffenen Grundstücks-oder Gartenbesitzern werde man im Vorfeld sprechen, versprach Kleinert. Im Falle der Elster-Profilerweiterung müsste ein großer Teil der Gartenanlage dem Deichbau weichen. „Ohne diese Eingriffe wird es nicht gehen“, hatte der Gebietsreferent bereits angekündigt. Wie groß dieser Einschnitt wäre, könne man aber erst nach der Planung sagen.

Mario Walther, Vorsitzender des Vereins Greizer Parkfreunde e.V. wollte wissen, wie es mit dem Fürstlich Greizer Park in Hinblick auf den Hochwasserschutz weitergehe. Der Park sei schon immer mit Hochwasserzuständen umgegangen, so Kleinert. Die Kollegen von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten seien „dran“, doch viel werde sich nicht schützen lassen, vermutet der TLUG-Mitarbeiter. „Mit dieser Tatsache wird man auch in Zukunft leben müssen“, zeigt er sich überzeugt; allerdings sei es wichtig, den Objektschutz noch mehr in den Fokus zu rücken.

Abschließend äußerte sich auch Bürgermeister Gerd Grüner: „Die erste Variante ist nicht optimal, sie löst das eigentliche Problem nicht.“ Das schaffe nur der Flutgraben. Im Falle eines Hochwassers könne so die Altstadt geschützt werden.

Info:
Im Gebäude der TWG, früher Mech. Webereri Otto & Vaupel, später VEB herdas, in der Greizer Rosa-Luxemburg-Str. 71 können von Vereinen Räume angemietet werden. Weitere Infos über Jan Popp, Vorstandsmitglied des Greizer Neustadtvereins.

Antje-Gesine Marsch @27.05.2016