Greizer Theaterherbst

Das Ende ist nah
Der Intendant des Greizer Theaterherbstes, Michael-Paul Milow unterhielt mit einer Auswahl von End-Texten die Gäste in der Buchhandlung „Bücherwurm“

Greizer Theaterherbst Greiz. Je mehr er sich mit dem Thema „Ende“ beschäftige, desto undefinierbarer werde ihm dieser Begriff. Das sagte Michael-Paul Milow, Intendant des Greizer Theaterherbstes am Donnerstagabend in der Buchhandlung Bücherwurm. Das Ende ist nah titelt das Festival in diesem Jahr; angelehnt an dieses Thema hatte der Schauspieler einige seiner Lieblingsbücher mitgebracht, aus denen er Passagen vortrug. Glück und Grauen des Familienlebens sowie die Sicht auf das älterwerden kommen in Stefan Schwarz`s Roman Das wird ein bisschen wehtun zum Zug; Milow trug ausdrucksvoll und pointiert die Stelle vor, als Max die Hauptperson seinen übergewichtigen Vater, der wieder einmal hingefallen war, aus der prekären Situation und engen Speisekammer befreit. Die Zuhörer hatten schwer damit zu tun, nicht lauthals loszulachen eine ungemeine Herausforderung angesichts des urkomischen Textes. Ernster wurde es dann beim Band Kollaps von Jared Diamond, der die Ursache des Untergangs von Gesellschaften untersucht. Für Heiterkeit sorgte zudem das Buch Brot und Unwetter von Stefano Benni, in dem die italienische Kneipe Bar Sport und deren rührenden Geschichten im Mittelpunkt der Handlung stehen: Im Wald sind bereits Bagger und Sägen im Einsatz, denn die Bar soll einem modernen Einkaufszentrum weichen. Doch es geschehen noch einige kleine Wunder, die das Undenkbare verhindern. Natürlich versäumte Michael-Paul Milow nicht, auf die Veranstaltungen des 21. Theaterherbstes hinzuweisen, der in diesem Jahr vom 14. bis 22. September stattfindet. Den Flyer dazu hatte der künstlerische Leiter natürlich schon im Gepäck. Neben Eigenproduktionen, wie Last minute, einer kriminalistischen Endzeitperformance, werden auch drei Gastspiele tschechischer Künstler auf dem Spielplan stehen, z.B. Rain dance der Künstlergruppe Handa Gote. Das Stück wird sicher polarisieren, ist sich Milow sicher. Auch ansonsten ist das Thema Ende in all seinen Facetten immer momentan. In der Vogtlandhalle ein Sarglager einzurichten, scheiterte allerdings am Veto der Verantwortlichen. Bis jetzt, so Michael-Paul Milow augenzwinkernd. Das Ende muss nicht das Absolute sein, es kann auch einen neuen Anfang beinhalten, relativierte der Mime das Thema abschließend. Auch wenn Gedanken um die eigene Vergänglichkeit oft in den Fokus rücken würden.

Antje-Gesine Marsch @30.08.2012