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Günter Ullmann: Heute jährt sich sein Geburtstag zum 72. Mal

Günter Ullmann: Heute jährt sich sein Geburtstag zum 72. Mal
Inmitten von Kindern fühlte sich Günter Ullmann wohl. Hier zu einer Veranstaltung 2006 im Weißen Saal, als Schüler Gedichte von ihm vortrugen. Auf seinem Schoß meine Tochter Anna-Lena.

Als Günter Ullmanns Gedichte nach der Wende endlich gedruckt werden, kommt der Greizer Lyriker mit sich ins Reine

GREIZ. Am heutigen 4. August jährt sich der Geburtstag von Günter Ullmann zum 72. Mal. Am 9. Mai 2009 verstarb der bekannte Lyriker. Geboren im Jahr 1946, in einem “Privilegium aus Liebe” aufgewachsen, ist es bald die moderne Musik, die den jungen Günter Ullmann umtreibt.
Die Laube im elterlichen Garten auf dem Hainberg wird zum Musikstudio. Mit seinen Kumpeln Schotte (Harald Seidel) und Ruby (Rudolf Kuhl) beginnt eine aufregende Zeit.
Auch politisch zeigt sich Ullmann interessiert, erlebt Ende der 1960er Jahre den Einmarsch der sowjetischen Truppen in der Tschechoslowakei und positioniert sich.
Zum Studium nicht zugelassen, wird er nach dem Abitur auf dem Bau arbeiten.
Dann die Heirat mit Geli und der Verlust der geliebten Tochter Xandra durch einen schrecklichen Unfall.
Ullmann verarbeitet Trauer und Schmerz in Gedichten.
Seit Mitte der 1970er Jahre befindet sich Günter Ullmann in einem “seelischen Ausnahmezustand”, wie es der Freund und Autor Udo Scheer einmal beschrieb.
Die Ausbürgerung Wolf Biermanns und das “Herausekeln” Reiner Kunzes aus der DDR beeinflussen Ullmanns Leben; ebenso die Freundschaft zu Manfred Böhme. Die Staatssicherheit setzt ihm zu, die “Verdächtigungen sind ein schleichendes Gift.”
Aufenthalte in der Psychiatrie folgen – die Familie steht trotz großer Repressalien durch die Staatssicherheit der DDR zu ihm.
Dann der Umbruch: Zu den Samstagsdemonstrationen, die Ende 1989 in Greiz beginnen, schreitet Günter Ullmann in der ersten Reihe.
Reiner Kunze spricht im Januar 1990 in der Greizer Stadtkirche und lobt das “Lebenswunder”.
In den 1990er Jahren kommt Günter Ullmann mit sich ins Reine. Seine Gedichte, die jahrelang in der Schublade schlummern, werden gedruckt; Greiz wird zur “Hauptstadt der Poesie”.
Besonderes Augenmerk legte der Greizer auf das Verfassen von Kinderbüchern und – gedichten. Viele seiner Verse fanden Einzug in Schulbücher.
Bekannt wurde vor allem “Die Sonne taucht im Wassertropfen: Gedichte für Kinder (1998) und “Der Tintenfisch springt über die Klassenbänke” (2001).
Am 9. Mai 2009 endet das bewegende Leben des Greizer Lyrikers. Eine große Trauergemeinde folgt Ullmanns Sarg, der im Familiengrab auf dem Neuen Friedhof seine letzte Ruhestätte findet – neben Bruder Gerhard, Tochter Xandra und auch seiner geliebten Frau Geli, die ihm nur kurze Zeit später folgte.
Günter Ullmanns Werk wird unsterblich bleiben.

Im M + N Boesche Verlag Berlin erschien im Jahr 1994 ein Heftchen mit heiteren und ernsten Kindergedichten von Günter Ullmann:

Trinkspruch:

Die Kuh macht Milch
aus jeder Wiese
und trinkt nur Wasser
die dumme Liese.
Der erste Ferientag:
Wir machen heute Klingelrutsch
und flitzen um die Ecke,
damit die Leute uns nicht kriegen
und spucken um die Wette.
Wir rufen fremde Leute an
und geben ihnen Rat.
Wir toben uns mal richtig aus –
heut’ ist erster Ferientag.

Ich hab’s im Traum geseh’n:
Der Krieg wird nicht mehr sein.
Kein Mensch bleibt mehr allein.
Die Erde wird gesund,
Du hast zum Leben Grund.
Der Baum wird wieder grün.
Die Erde, die wird blüh’n.
Geben heißt Gewinn.
Das Leben, das hat Sinn.
Ein Brot reicht aus für zwei.
Der Hunger geht vorbei.
Die Welt wieder schön.
Ich hab’s im Traum gesehn’n.

Antje-Gesine Marsch @04.08.2018

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