Jugendchor an St. Marien: Erfolgreiches Konzert in Berchtesgaden

Jugendchor an St. Marien: Erfolgreiches Konzert in Berchtesgaden
Von der Empore sang der Jugendchor an St. Marien unter Leitung von Ralf Stiller an der Christuskirche Berchtesgaden. Foot: Wolfgang Sauer

Jugendchor an St. Marien Greiz und Instrumentalensemble gaben unter Leitung von Kantor Ralf Stiller ein erfolgreiches Konzert in Berchtesgaden

BERCHTESGADEN/GREIZ. „Unser Jugendchor an St. Marien Greiz gab letzte Woche ein erfolgreiches Konzert in Berchtesgaden“, berichtet der Greizer Kantor Ralf Stiller. Anlass war das Jubiläum „500 Jahre Reformation“ und zugleich der Jahrestag der „Augsburger Konfession“. „Die Augsburger Konfession war der Versuch die Kirchenspaltung zu verhindern“, so die Erklärung.
Der Jugendchor wurde sozusagen als ökumenischer Botschafter aus der näheren Landschaft der Reformation und des Reformators Martin Luther nach Berchtesgaden eingeladen und sang auch zum Festgottesdienst am Jahrestag der Augsburger Konfession, am 25. Juni in der katholischen Pfarrkirche St. Andreas.
Dabei war es bereits der zweite Besuch des Greizer Jugendchores im Südosten Oberbayerns. Anderthalb Jahrzehnte hatte Ralf Stiller hier als Musikpädagoge an der CJD-Christophorusschule gelehrt und den Kontakt, auch als er im Juli 2014 die Kantoren-Stelle in der Schloss-und Residenzstadt Greiz antrat – nie abreißen lassen. Nachdem die jugendlichen Sänger und Instrumentalisten bereits im Vorjahr die Gäste zu begeistern wussten, wiederholte sich der Erfolg in der Berchtesgadener Christuskirche auch in diesem Jahr. Dabei agierten die jungen Frauen und Männer nicht nur als hervorragende Choristen, sondern traten auch instrumental in Erscheinung.

Hier ein Auszug der Rezension von Dietmar Meister in der „Berchtesgadener Zeitung“:

„……Ein „Festlicher Ruf“ von Georg Friedrich Händel eröffnet das Konzert und Ralf Stiller ist mittendrin im Blechbläserquintett. Gleich darauf wird er Chorleiter, wenn ein gutes Dutzend Sänger Peter Tschaikowskis „Gospodi pomiluj“ in russischer Originalsprache vortragen, in großartiger Abstimmung zwischen den Tonlagen.
Es ist eine kleine Inszenierung, der das Publikum beiwohnen darf. Den Rahmen bildet Händels „Suite für Trompete und Kammerorchester in D-Dur“, dann kommt der Chor und brilliert mit Claudio Crassinis Kyrie aus der „Missa Prima“ zum »Weinen schön«.
Dann übernehmen wieder Orgel, Streicher und Trompete das Heft des Handelns. Plötzlich ist der Chor wieder da, wie aus dem Nichts lautlos im Bild. Gounods Kyrie, zwei Geiger verblüffen im Altarraum mit Joseph Haydns Duo für zwei Violinen, ehe aus anderer Richtung Flötentöne in den Kirchenraum schweben, dann wieder Händel, die beiden letzten Sätze aus seiner »Suite«.
Und mittendrin der Regisseur Ralf Stiller. Mitunter nur rückseitig zu sehen, über das Orgelpult gebeugt, dann wieder in der ersten Reihe am Klavier, präzise die Einsätze gebend. Alles geht schnell. Nach dem letzten Ton eines Stückes lockert sich die Spannung im Gesicht, er lächelt, kurz, manchmal, und wenn es wohl genau seinen Vorstellungen entsprochen hat, zeigt er seinen Sängern und Musikern gewissermaßen als Belohnung zwischendurch, den erhobenen Daumen, flüchtig, fast verstohlen.
Mit dem Beifall in Kirchenkonzerten ist es immer so eine Sache. Darf man, darf man nicht? Aber nach anfänglicher Zurückhaltung muss man wohl. Das lockert die Atmosphäre auf, öffnet den Raum für Johann Walters »Allein auf Gott will ich vertrauen« und dann »Nun bitten wir den heiligen Geist«, Ausflüge in die unmittelbare Reformationsgeschichte, denn der Thüringer Komponist und Texter wirkte unweit von Greiz und war ein Vertrauter und Mitarbeiter Martin Luthers.
Am Ende mündet das Programm in moderner Regionen. »Ein feste Burg ist unser Gott« klingt nur zu Beginn wie das vertraute Lutherlied, wird dann abrupt jazziger mit Percussion und einer zum Saxofon greifenden jungen Chorfrau. Der Komponist heißt Gerhard Luchterhand, der sich auch dem überlieferten »Herr Jesu Christ, dich zu uns wend« annahm und in eine Form brachte, die möglicherweise leichter in junge Ohren eindringt.
Gospelartig wird es dann, irisch mit »Evening rise«, ehe das komplette Ensemble, das Publikum animierend mit »Der Mond ist aufgegangen« das Finale einleitet, das sich dann noch etwas ausstreckt mit »Kein schöner Land« und dann endlich dem stürmischen Beifall freies Feld lässt.
Ein Berchtesgadener Reformationsbier mit Krug gibt es für den Kantor Stiller von Pfarrer Peter Schulz und unter anderem den Hinweis, dass die schon länger segensreich wirkende »Dr. Heinz und Maria Loewe-Stiftung« Wesentliches beitrug, um die mindestens 600 Kilometer von Berchtesgaden entfernt lebenden Sänger und Musiker zu diesem Konzert zu bitten….“

Quelle: Berchtesgadener Zeitung vom 04.07.2017

Antje-Gesine Marsch @09.07.2017