Karpfenpfeifer

Wie die Zeulenrodaer zu ihrem Namen kamen

Zeulenroda. Vom Vogtland bis weit ins Thüringer Land sind die Zeulenrodaer als die Karpfenpfeifer bekannt. Wie es dazu kam, erzählt die folgende kleine Geschichte: Zu den Hochzeitsfeierlichkeiten anlässlich der Vermählung einer Greizer Fürstentochter waren auch zwölf ehrbare Zeulenrodaer Bürger zu Wach- und Aufwartediensten in die Greizer Residenz befohlen. Zu den Gaumengenüssen der Hochzeitstafel zählte auch ein Karpfengericht nach echt vogtländischem Rezept. Die Karpfen waren am Tag zuvor aus dem einzigen Teich der Greizer Stadtflur, dem Binsenteich am Fuße des Schlossberges, gefischt worden. Der Teich war aber vom Zulauf des Hof- und Küchenwassers so arg verschlammt, dass die Karpfen gar gräulich nach Schlamm schmeckten. Die Zeulenrodaer, die zu dieser Zeit wohl mehr als hundert Fischteiche in ihrer ausgedehnten Stadtflur besaßen, galten nicht nur als beste Kenner auf dem Gebiet der Karpfenzucht, sondern waren auch vorzügliche Feinschmecker. Sie verzogen das Maul ob des abscheulichen Geschmacks und schickten das Fischgericht wieder an die Hofküche zurück mit dem wenig schmeichelhaften Kompliment:

Wir Zeulenrodaer pfeifen auf solche Schlammkarpfen!

Da habe sich der Hofkoch in seiner Küchenehre tief getroffen gefühlt und die Verächter seiner Kunst im Zorn Karpfenpfeifer geschimpft. Dieser Spitzname ist den Zeulenrodaern bis zum heutigen Tag geblieben. Die Bürger der Stadt auf der Höhe tragen es allerdings mit Humor. Die Figur des Karpfenpfeifers ziert auch den Springbrunnen auf dem Marktplatz. Er ist somit auch zur Symbolfigur von Zeulenroda geworden. Vielen Zeulenrodaern ist die Entstehung des Spitznamens aus Broschüren, Presse usw. bekannt. Aber unter den älteren Bürgern unserer Stadt sind auch noch einige andere Varianten über die Entstehung des Namens Karpfenpfeifer im Umlauf. Auch dem Schöpfer der Figur des Karpfenpfeiferbrunnens war noch eine andere Geschichte bekannt. Der Meier Wilhelm habe beim Stammtisch geäußert, seine Karpfen seien von solcher Größe, dass er ihnen das Pfeifen beibringen könne. In einem Vogelkäfig sahen die Kumpel dann einen Fisch das Maul spitzen.

Antje-Gesine Marsch @25.01.2012

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