Kids meet Beethoven in Greiz – 250 Jahre alt und kein bisschen verstaubt!

Kids meet Beethoven in Greiz – 250 Jahre alt und kein bisschen verstaubt!
Kids meet Beethoven in Greiz – 250 Jahre alt und kein bisschen verstaubt!

Die Musikwelt feiert in diesem Jahr den 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens (1770–1827). Anders als andere Komponisten, die nur in Spielplänen auftauchen, wenn ein solches Jubiläum ansteht, ist Beethoven immer und überall präsent. Landauf, landab nehmen sich dieses Jahr Akteure in diversen Formaten des besonderen Jubiläums an. Die Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach wählte dafür die Konzertreihe „Kids meet Classic“, die Musikstunde der besonderen Art. Unter dem Motto „Ludwig van Beethoven wird 250“ folgten auf die Reichenbacher Premiere am 29. Januar am Folgetag zwei Vorstellungen in der Vogtlandhalle Greiz, bei der 1.300 Schülerinnen und Schüler fast aller Klassenstufen im Publikum saßen.
Nach dem Yorckschen Marsch, der quasi als Ouvertüre erklang, wurde Dirigent und Moderator GMD Stefan Fraas unterbrochen: Ein älterer Herr mit grausem grauen Haar, schwarzem Gehrock, weißem Hemd und rotem Halstuch kam auf die Bühne. Es war Ludwig van Beethoven höchstselbst (verkörpert vom Pianisten Wolfgang Wedel), wie man ihn vom wohl berühmtesten Gemälde Joseph Karl Stielers kennt. So begannen kurzweilige Dialoge, in denen die wesentlichen Stationen im Leben des Komponisten nacherzählt und durch ausgewählte Werke hörbar gemacht wurden. Ausgehend von der Kindheit und Jugend in Bonn, wurden der Umzug nach Wien, das als skandalös empfundene Auftreten des störrischen Beethoven, die Entstehung zentraler Werke und natürlich seine Taubheit thematisiert.
Neben Auszügen aus Klaviersonaten, Für Elise, dem 1. Klavierkonzert sowie den Sinfonien Nr. 1, 5, 6 und 9 gab es zum Abschluss mit Beethoven Five eine Rockversion der 5. Sinfonie. Mit diesem Bogen ins Heute ist vielleicht auch einigen klar geworden, dass Beethovens Musik in ihrer Zeit etwas gleichsam Populäres wie Innovatives hatte und dadurch bis heute zeitlos geblieben ist. Der Höhepunkt wurde – wie könnte es anders sein? – mit der 9. Sinfonie erreicht. Gemeinsam mit dem Orchester sangen die jeweils knapp 700 Schülerinnen und Schüler Schillers Ode An die Freude. Allein für diesen Gänsehautmoment hat sich der Aufwand gelohnt.
Mit der Thematisierung außermusikalischer Phänomene, wie der Infragestellung gesellschaftlicher Normen, des Instrumentenbaus oder der Positionierung des Individuums zu weltgeschichtlichen Ereignissen wie der Französischen Revolution verblüfften die Protagonisten auf der Bühne manchen, der sich zuvor skeptisch fragte, wie man in ein und demselben Programm Schüler aller Altersklassen erreichen könne. Mit Witz, aber nie mit Klamauk, schafften es Fraas und Wedel gemeinsam mit der Vogtland Philharmonie einen informativen und im besten Sinne unterhaltsamen Vormittag zu gestalten. Der immer wieder gespendete Applaus sowie die bis zum Schluss gute Disziplin der Schülerinnen und Schüler bestätigten, dass das Konzept aus der Feder von Thomas Divossen aufgegangen ist. Um die Eindrücke und das vermittelte Wissen nachbereiten zu können, gab es für jeden eine Begleitbroschüre mit auf den Nachhauseweg. Es war ein Vormittag, der sicher bei den Kindern nachklingen wird. Bestenfalls kennen nun einige die Antwort auf die Frage, was uns ein 250 Jahre alter Komponist, dieser unbeirrt humanistische Querdenker mit seinem Credo „Alle Menschen werden Brüder“, heute noch zu sagen hat.
Die nächsten Konzerte der jugendlichen Hommagen an Beethoven finden am 6. April in der Stadthalle Markneukirchen, am 7. April in der Aula des Georgius-Agricola-Gymnasiums Glauchau und am 8. April erneut im Neuberinhaus Reichenbach statt. Interessierte Schulen können ihre Anfragen an Thomas Divossen von der Vogtland Philharmonie unter Telefon 03765 13470 oder per Mail an kids@vogtland-philharmonide.de richten.

Michael Pauser