Einzigartige Königin der Instrumente im Fokus

Kreutzbach-Jehmlich-Orgel in der Greizer Stadtkirche St. Marien
Auch die Kreutzbach-Jehmlich-Orgel in der Greizer Stadtkirche St. Marien wurde in der Broschüre aus dem Jahr 1989 fachlich erläutert.

Kreutzbach-Jehmlich-Orgel soll wieder in einstigem Klang und Glanz erstrahlen
GREIZ. Der Wunsch nach einer Sanierung der historischen Kreutzbach-Jehmlich-Orgel in der Stadtkirche „St. Marien“ war seit Jahren immer wieder im Gespräch. Doch zunächst war es die im November 2012 abgeschlossene, fast zwanzig Jahre währende Komplettsanierung des Gotteshauses, die alle Kräfte der Gemeindeglieder und Unterstützer bündelte und in Anspruch nahm. „Nun ist es an der Zeit, die Orgel wieder in altem Klang und Glanz erstrahlen zu lassen“, wie es Kantor Ralf Stiller auf den Punkt bringt. Die Erneuerung soll die vorhandenen Klangmöglichkeiten der Orgel wiederherstellen und erweitern, um die lang währende Geschichte der Greizer Kirchenmusik würdig fortzuschreiben. Die Greizer Königin der Instrumente wurde Ende des 19. Jahrhunderts von dem Orgelbauer Kreuzbach aus Borna erbaut und im Jahre 1919 von der Firma Jehmlich auf 63 Register erweitert. Die Disposition stammt vom damaligen Greizer Organisten und Kantor Richard Jung (1864 – 1932), einem Freund des Komponisten Max Reger. Doch der Zahn der Zeit nagte an diesem Instrument; oft wurde die Orgel nicht mit dem nötigen Respekt behandelt. So wurden zu DDR-Zeiten unter anderem die 8-Millimeter starken Bleirohre durch Kunststoffschläuche ersetzt, was dem Klang sicherlich nicht dienlich war. Auch der Schweller, die Walze und verschiedene Registerschalter am Spieltisch seien arg in Mitleidenschaft gezogen oder funktionieren gar nicht mehr. Um das große Ziel der zeit-und kostenaufwändigen Sanierung zu erreichen, muss vieles auf den Weg gebracht werden. Doch Greiz wäre nicht die erste Stadt, der dieses Vorhaben glückte, wie Kantor Stiller weiß und als Beispiel die Pößnecker Kirche samt ihrer Kreutzbach-Jehmlich-Orgel benennt, die der Greizer in Baujahr und Zustand ähnelt. Am Ende waren es fast 400 000 Euro, die für die Sanierung finanziert wurden und aus verschiedenen Fördermitteln, auch Zuschüssen der Stadt Pößneck und durch zahlreiche Spenden von Orgelfreunden, Firmen und Privatpersonen der Region kamen. Die Greizer Orgel ist eine besonders wertvolle, betont Ralf Stiller. Zum einen ist sie die größte Ostthüringens, zum anderen sei man der langjährigen kirchenmusikalischen Tradition in Greiz verpflichtet. „Wenn man bedenkt, dass bereits Max Reger an dieser Orgel saß, kann man sich vorstellen, welche Historie dahinter steht“, so der Kantor.
Ein erster Schritt zur Verwirklichung dieses großen Vorhabens ist die Gründung eines Orgel-Fördervereins, kündigt der Kirchenmusiker an. Ideen hat der engagierte Musiker zuhauf. Ihm zur Seite stehen engagierte Greizer Bürger, die sich mit ganzer Kraft einbringen werden. Besonders wichtig für den Kantor ist, viele Bürger zu bewegen, ihren ganz speziellen Part für die Sanierung zu leisten. „Jeder noch so kleine Betrag zählt“, bittet Ralf Stiller – wohl wissend, dass die Unterstützung dieses Großprojektes durch finanzkräftige Sponsoren unumgänglich ist. „Wir werden alle Mittel ausnutzen, die es gibt“, betont der Kantor. Bis Ende des Jahres werde man renommierte Orgelfirmen anschreiben und sogar aufsuchen, um die Ausschreibung der Leistungen vorzubereiten. „Es muss eine Firma sein, die mit Herzblut und Können agiert“, so der Wunsch Ralf Stillers. Schließlich muss jede der zirka 3000 Pfeifen – von wenigen Millimetern bis zu Metergrößen – ausgebaut und neu intoniert werden. Der romantische Orgelprospekt soll ebenfalls in die Kur genommen werden und in seiner einstigen Pracht erstrahlen. Auch dem Posaunenengel, der mittig über dem Orgelprospekt thront, wird eine besondere Bedeutung zuteil:„Das könnte der Schutzengel von Greiz werden“, so Kantor Stiller augenzwinkernd. Für die Stadt Greiz ist die Sanierung der kostbaren Orgel ein wichtiger Schritt, in den Fokus Musikinteressierter zu rücken. Internationale Orgelwettbewerbe durchzuführen, wäre dann beispielsweise möglich, zeigt sich Kantor Stiller überzeugt. Dass davon auch die Stadt Greiz, die sich „fürstlich vogtländisch“ nennt, profitiert, sei ein nicht von der Hand zu weisender touristischer Aspekt.

Antje-Gesine Marsch @15.11.2014

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