Lidl-Investition: IWA Greiz lud zur Info-Veranstaltung ein

Lidl-Investition: IWA Greiz lud zur Info-Veranstaltung ein
Stadtrat Michael Kniebel (stehend) bei seinem Diskussionsbeitrag.

Lidl stellte im Konferenzraum der Vogtlandhalle Greiz sein Investitionsvorhaben vor – Interessengemeinschaft für Wirtschaft und Arbeit hatte zur Info-Veranstaltung eingeladen

GREIZ. Investitionen sind ein wichtiger Schlüssel für wirtschaftliches Wachstum. Auch das Handelsunternehmen Lidl will in den nächsten fünf Jahren über drei Milliarden in sein deutsches Handelsnetz investieren – 2,3 Mio. Euro sollen in einen Abriss und Neubau der jetzigen Filiale in der August-Bebel-Straße 21 fließen. Darüber informierte am Montagabend Bianca Wirth, Lidl-Portfolio-Managerin, im Konferenzraum der Vogtlandhalle Greiz. „Lidl im Wandel der Zeit“ nannte die Managerin das Umdenken, dem demografischen Wandel und veränderten Einkaufsverhalten Rechnung zu tragen. Als „neue Generation“ bezeichnete Frau Wirth die „laufwegoptimierte“ Struktur des modernen zweigeschossigen und zudem ohne Nutzung fossiler Energieträger auskommenden Gebäudes, das es so beispielsweise in Reichenbach/V. oder Apolda bereits gibt.

IWA wandte sich an die Mitglieder des Stadrates

Den Mitgliedern des Greizer Stadtrates die Möglichkeit einzuräumen, Fragen an die Lidl-Verantwortlichen zu stellen, war das erklärte Ziel der öffentlichen Zusammenkunft, wie IWA-Fraktionsvorsitzender Jens Geißler sagte. Hintergrund ist die Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes für die Stadt Greiz, das am 1. März auf der Tagesordnung des Greizer Stadtrates steht. Die Stadt Greiz hatte Bedenken geäußert, dass die Investitionspläne von Lidl dem im Einzelhandelskonzept verankerten Bebauungsplan – Rechtsgrundlage der Stadtentwicklung – widersprechen. Die Bedrohung von Einzelhändlern, wie beispielsweise Bäckern oder Fleischern, wurde zudem als Aspekt genannt. Geißler führte aus, dass die Stadtverwaltung es gern gesehen hätte, dass sich das Handelsunternehmen im Marstall ansiedelt.

Hausintern noch nicht komplett abgeklärt

Bianca Wirth unterstrich, dass es mittlerweile um Qualität und Wohlfühlcharakter beim Einkaufen gehe. Ein neues Innenkonzept mit niedrigeren Regalen und breiteren Gängen sei entwickelt worden, um bequemer einkaufen zu können. Dass sich das Sortiment nicht ändern oder erweitern werde, unterstrich sie in ihren Ausführungen. Lediglich die Fläche würde von etwa 800 Quadratmetern auf 1200 vergrößert. Dabei betonte die Managerin, dass die Pläne zwar ausgearbeitet, allerdings „hausintern“ noch nicht beschlossen seien.

Investition muss schnell auf den Weg gebracht werden

Dass die Stadtverwaltung dem Vorhaben kritisch gegenüber steht, ist für Jens Geißler „völlig unverständlich“. Man müsse „modern und vernünftig denken“ und das Investitionsvorhaben „schnell auf den Weg bringen“. Dass Lidl die Kosten einer Einzelfallstudie sogar selbst übernehmen wolle, wenn man am jetzigen Standort verbleiben könne, führte der IWA-Chef ebenso als Argument ins Feld.

Diskussion wirft viele Fragen auf

Detlef Zietan (IWA) wollte wissen, mit welchen Fahrzeugen der Markt im Falle eines Ansiedelns im Marstall beliefert würde. Mit LKW’s, die allerdings keine Möglichkeit hätten, die Kurve auf das Areal zu bewältigen, führte Bianca Wirth aus. Wie lange der Abriss einschließlich des Neubaus dauern würde, wollte Marco Nagel wissen. Ein halbes Jahr, so die Aussage der Managerin. Nach der Parkplatzsituation fragte Stadträtin Andrea Jarling. 120 bis 150 Stellplätze werde es geben, so Frau Wirth. Wie lange Lidl schon „mit der Stadt kämpfen“ würde, stellte Günter Seidel als Frage. Seit zweieinhalb Jahren versuche die Managerin schon, mit Bürgermeister Gerd Grüner (SPD) und Stadtplaner Dieter Obenauf Kontakt aufzunehmen, was allerdings bislang nur schriftlich oder telefonisch gelang, führte Bianca Wirth aus.
Deshalb habe man sich vor einem halben Jahr an die Fraktionen des Greizer Stadtrates gewandt.
Normal hätte man vor Lidl „einen Knicks“ machen müssen, bedauerte Jens Geißler.
„Kein Verständnis, dass die Stadt das Vorhaben blockiert“, äußerte Linken-Fraktionschef Holger Steiniger, der auch nachfragte, ob regionale Unternehmen Bauaufträge erhalten würden. Ein Generalunternehmen sei für die Vergabe verantwortlich, so Bianca Wirth, die aber auch informierte, dass beim Bau anderer Fililaen regionale Firmen mit ins Boot geholt wurden.

Walter Dengler meinte, wer auf eigene Kosten etwas baue, dem müsse der rote Teppich ausgerollt werden. „Wenn das verhindert wird, ist das hochsträflich in Vollendung.“
Andrea Jarling hob die Erhöhung der Attraktivität der Stadt Greiz hervor. CDU-Fraktionsvorsitzender Christian Tischner wunderte sich allerdings, weshalb eine zunächst angedachte bauliche Erweiterung nun ein kompletter Neubau würde.

Dass das „hirnrissige Einzelhandelskonzept der Stadt aus dem Jahr 2009“ endlich geändert wird, forderte Michael Kniebel (IWA). Man müsse es „neu durchdenken und umschreiben“.
Wie lange es in Reichenbach gedauert habe, bis der Bau genehmigt wurde, wollte Günter Seidel wissen. Etwa ein Jahr, so Bianca Wirth, was aber mit Greiz nicht vergleichbar wäre.
Jan Popp (IWA) nannte die geplante Lidl-Investition „ein positives Signal für die Stadt Greiz“, das bedeute „Die Stadt lebt“. Wie sich Lidl als Investor fühle, wollte er wissen. „Nicht so gut“, lautet die Antwort von Bianca Wirth, die weiterhin „Argumente finden und sammeln“ will. Sie bedauerte, dass man ihr seitens der Stadt nicht einmal die Möglichkeit eingeräumt habe, das Konzept vorzustellen. Erst durch die Fraktionen käme „Bewegung in die Sache“.

Dass das Vorhaben „keine humanitären Gründe“ beinhalte, sondern ein „straffes Marketingkonzept“ dahinter stünde, äußerte Peter Kniebel. „Also nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen.“

Jens Geißler gab zu bedenken, dass bei eventueller Schließung des Spar-Marktes in der Altstadtgalerie kein Nahversorger mehr vor Ort sei. Desweiteren solle man eine Entscheidung auch in den Kontext der Monate dauernden Vollsperrung nach Elsterberg sehen. Viele Sachsen würden nach Schließung der Elsterberger Lidl-Filiale nach Greiz kommen, wovon auch die Einzelhändler partizipieren würden.

Dem Handelsunternehmen Lidl „einfach Mut“ zu machen, ihm entgegenzukommen und eine zügige Bearbeitung aller Anträge anzustreben, war der Vorschlag von Andrea Jarling. Doch das hänge nun an der Stadtverwaltung Greiz.

Antje-Gesine Marsch @15.02.2017