Loriot-Porträt im Greizer Sommerpalais

Loriot-Porträt im Greizer Sommerpalais

Stefan Lukschy liest im Festsaal aus dem Band „Der Glückliche schlägt keine Hunde“

Loriot-Porträt im Greizer Sommerpalais
Die Direktorin des Sommerpalais Greiz, Eva-Maria von Mariassy stellt den Autor Stefan Lukschy und dessen Loriot-Buch vor.
GREIZ. „Ich bin begeistert von Thüringen, von Greiz und natürlich vom Sommerpalais“, gestand Stefan Lukschy kurz vor der Lesung „Der Glückliche schlägt keine Hunde“, die am Sonntagnachmittag im Festsaal des Hauses stattfand. Der Berliner weilte zum ersten Mal in der Region und konnte seine Begeisterung für die Schönheit der Natur und der Städte kaum beschreiben. Als er erfuhr, dass der neue Slogan für die Stadt Greiz „fürstlich vogtländisch“ lautet, schloss sich für ihn sofort ein Kreis: Als Elfjähriger bekam er das Buch „Der Weg zum Erfolg“ geschenkt. Der Autor – es war kein Geringerer als Vicco von Bühlow, also Loriot – schrieb als Widmung hinein, er wünsche dem Jungen „fiel Ervolg“. Das kam Stefan Lukschy spontan in den Sinn, als er vom Slogan hörte, der mit „f“ und „v“ beginnt. Damit war die perfekte Überleitung zur Lesung geschaffen und der langjährige und enge Mitarbeiter Loriots, der zudem mehr als drei Jahrzehnte mit ihm freundschaftlich verbunden war, griff zum Buch, in dem er seine ganz privaten Erinnerungen an Loriot verarbeitete. Doch wie kam es dazu, dass Anfang der 1970er Jahre ein junger Filmstudent mit langen Haaren und speckiger Lederjacke und ein seit den 1950er Jahren erfolgreicher Humorist, Schauspieler, Regisseur und Karikaturisten Gefallen aneinander fanden?
Als Loriots Sendung „Cartoon“ von Stuttgart nach Bremen verlegt wurde, war es Stefan Lukschy, der die Stelle als Regieassistenten, später auch des Cutters inne hatte. Er zog aus dem „wilden Berlin“ in das „Paradies Ammerland“ am Starnberger See. Eine besondere Liebe verband Loriot und Lukschy zur klassischen Musik: „Bevor wir zu arbeiten begannen, hörten wir erst zwei Stunden klassische Musik, unter anderem die Matthäus-Passion“, beschrieb Stefan Lukschy. Für ihn war es beeindruckend, wie tiefernst Loriot sein konnte, der doch für seine Komik, manchmal sogar Albernheit berühmt war.
So schilderte er die Situation, als Evelyn Hamann zum ersten Mal Loriots Weg kreuzte: Er hatte seine ganz spezielle Vorstellung von der weiblichen Hauptdarstellerin des Stückes „Gran Paradiso“ – mittelgroß, füllig, etwa fünfzigjährig und blond gefärbt sollte die Hausfrau und Mutter sein. Evelyn Hamann war jung, groß und schlank, brünette Mähne, mit Jeans und indischer Tunika bekleidet. Allerdings konnte sie Loriot bald durch ihre Ruhe, Wandlungsfähigkeit, Stimme und präzise Arbeit überzeugen. Sie wurde schließlich Hauptdarstellerin unzähliger Sketche und Co-Moderatorin seiner Fernsehsendungen. Unvergessen auch der Nudel-Sketch: In einem italienischen Restaurant sitzen sich Hildegard und ihr eitler Verehrer, stolzer zukünftiger Leiter einer Einkaufsabteilung gegenüber, der ihr seine Liebe gestehen will. Die besagte „Nudel“ waren exakt drei Zentimeter lange, vorgekochte Teigwaren. die mittels Perückenkleber an den jeweiligen Gesichtspartien positioniert wurden. Als in der letzten Szene die „Nudel“ einfach nicht auf dem Espresso schwimmen wollte – sie war zu schwer – kam Stefan Lukschy die Idee, ein „Nudel-Double“ in Form eines gerollten Papierstückes einer Zigarettenpackung einzusetzen – und das Problem war gelöst: die Nudel schwamm. Heiterkeit erzeugte bei den zahlreichen Veranstaltungsbesuchern auch die Passage, als Loriots Frau Romi und Lukschys Freundin Claudia bei Essen in einem Restaurant beschlossen, dass die Männer nun endlich Brüderschaft trinken sollten. „Wir haben es artig getan, hatten sowieso keine Chance. Ich heiße Stefan – Vicco, Wohlsein.“ Als sich die Frauen kurz vom Tisch entfernten, „konnten wir uns gefahrlos wieder siezen“, so Stefan Lukschy schmunzelnd. Irgendwann hatten Loriot und er herausgefunden, dass Lukschys Großvater und Loriots mütterlich angeheirateter Großvater verwandt waren. „Durch das Zeichnen eines Stammbaumes haben wir dann herausgefunden, dass ich Loriots Onkel dritten Grades war. Daraufhin unterzeichnete er seine Briefe an mich mit „folgsamer Neffe“ und ich grüßte als „Onkel aus Berlin“. In der Rubrik „Gegenschuss“ las Stefan Lukschy einen Text von Peter Neugebauer: „Boll ist toll“. Auch hier schloss sich ein Kreis, denn derzeit ist in der Beletage eine Ausstellung mit „Neugebauers Neurosen“ zu besichtigen.
Wie sehr die Menschen Loriot bis über den Tod hinaus verehren, zeige die Armee von Gummientchen, die sich auf dessen Grabstein auf dem Waldfriedhof Heerstraße befinden, so Lukschy.
Mit dem Band „Der Glückliche schlägt keine Hunde“ schuf Stefan Lukschy eine sehr warmherzige und zudem heitere Reminiszenz an den großen deutschen Humoristen Loriot.
Antje-Gesine Marsch @29.09.2014