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Premiere des Stückes »Weit weg von Hagedingen« in Vogtlandhalle Greiz

Premiere des Stückes »Weit weg von Hagedingen« in Vogtlandhalle Greiz
Wilfried Pucher und Petra Walther brillieren im Zwei-Personen-Stück.

Heiter-melancholisches Stück über die Liebe und das Leben
GREIZ. Die Studiobühne der Vogtlandhalle Greiz war am Sonnabendabend bis auf den letzten Platz gefüllt. 140 Gäste fieberten der Premiere des Stückes Weit weg von Hagedingen von Jean-Paul Wenzel, einem französischen Gegenwartsdramatiker entgegen. Wilfried Pucher (George) und Petra Walter (Marie) mimen in diesem Dramolett ein älteres Ehepaar, das es nach einem arbeitsreichen Leben auf das Land zog, wo außer Stille nichts ist. Drei Jahre kein Laut, wie es Marie nennt. Während George, der fünfundfünfzig Jahre in einem Stahlwerk gearbeitet hat, sein Seelenheil im Fertigen von mehr oder weniger nützlichen schmiedeeisernen Dingen sucht, ist Marie in der Küche beschäftigt oder erträgt Georges aufkommende Eigenheiten. Ab heute trinke ich Tee verkündet er eines Morgens und erntet so das Kopfschütteln Maries. Die Altersidylle des Rentnerehepaars, in dem bislang die Arbeit den Lebensrhythmus bestimmte, gestaltet sich durch gähnende Langeweile, selbst Tochter Yvonne ist weit weg. Das Landleben bedrückt mich, resümiert Marie nach drei Jahren. Selbst der Werbeanruf eines Staubsaugerverkäufers wird für sie zur willkommenen Abwechslung. Ihm erzählt sie von ihrer einst schönen Stimme und dem Wunsch, eigentlich Sängerin werden zu wollen. George wird zunehmend schwieriger; er verbringt die Tage nur noch in der Werkstatt. Ich liebe das Knallen des Metalls schreit er in einem Ansturm von Jähzorn, als Marie ihm die Geburtstagstorte reichen will. Als George kränkelt und er ihr verspricht, noch lange nicht zu gehen, schöpft Marie neuen Mut und pflanzt im Garten rote Rosen. Das Stück endet abrupt.
Dramaturgin Gisela Hug war schon vor Jahren auf dieses Dramolett aufmerksam geworden: Es wurde zur Verabschiedung des großen Kurt Böwe als Ensemblemitglied am Deutschen Theater Berlin gespielt«, erinnert sie sich. Schauspielerin Christine Schorn, die im Stück die Marie mimte, hatte den Puchers schließlich das Stück besorgt. Bereits seit April probten der aus Film und Fernsehen bekannte Wilfried Pucher (73) und Petra Walther (52), die im wahren Leben als Finanzbuchhalterin tätig ist und sich seit dem Jahr 1997 der Laienschauspielerei verschrieben hat. Der ein oder andere wird sich wahrscheinlich in irgendeiner Form wiedererkannt haben, zeigt sich Wilfried Pucher augenzwinkernd sicher. Letztlich ist das heiter-melancholische Stück eine Hommage an alternde Menschen, die versuchen, dem Herbst des Lebens noch etwas Sinnvolles abzuringen, wie es Wolfram Löscher aus Reichenbach formulierte. Nicht so gelungen fand er, dass sich szenisch zu viel im Küchenschrank abspielte. Vielleicht hätte man das lieber mit Andeutungen darstellen sollen, statt permanent Schweinemett, Medizin oder Tee aus dem Möbelstück heraus zu kramen.
Herzlicher Applaus für alle Beteiligten – das waren außer den beiden Schauspielern und der Dramaturgin auch Dr. Undine Adler, die das Stück musikalisch mit Passagen aus Edvard Griegs Peer Gynt auf dem Klavier begleitete; Jörg Flessa, der zu Beginn akribisch die Bühnenkulisse gestaltete, sowie Jan Gerwien und Andre` Zien, die für die Technik verantwortlich zeichneten krönte die Aufführung.

Das Stück war eine Gemeinschaftsproduktion der Vogtlandhalle Greiz mit dem Theaterförderverein.
Service:
Weit weg von Hagedingen Ein Stück über die Liebe und das Leben von Jean-Paul Wenzel
Weitere Vorstellungen:
5.1.2014, 16 Uhr
16.1.2014, 19.30 Uhr
Karten: 03661 62880

Antje-Gesine Marsch @28.12.2013

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