Projekttag sensibilisiert Lessing-Schüler für Flüchtlingsthematik

Projekttag sensibilisiert Lessing-Schüler für Flüchtlingsthematik
Die Sechstklässler betrachten die Ausstellung zur Flüchtlingspolitik.

Thüringens Finanzministerin Heike Taubert hielt das Einführungsreferat vor den Schülern und wird zugleich als Patin der Schüleraktion gewonnen
GREIZ. Die Schüler-Initiative „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ – das größte Schulnetzwerk Deutschlands – will sich in aller Form gegen Diskriminierung jeglich Art einsetzen. Auf Initiative des Schülersprechers der Lessing-Regelschule, Florian Meckler, und des Vertrauenslehrers, René Fenk, fand am Montag ein Projekttag statt, der sich genau mit diesem brisanten Thema beschäftigt. „An unserer Schule wird dieses Motto jeden Tag praktiziert – es ist für uns selbstverständlich“, betonte Schulleiter Dieter Linke zu Beginn des Tages in der Aula vor den versammelten Schülern. „Jede Schule kann den Titel erwerben, wenn sie folgende Voraussetzungen erfüllt: Mindestens 70 Prozent aller Menschen, die in einer Schule lernen und arbeiten, verpflichten sich mit ihrer Unterschrift, sich künftig gegen jede Form von Diskriminierung an ihrer Schule aktiv einzusetzen, bei Konflikten einzugreifen und regelmäßig Projekttage zum Thema durchzuführen“, heißt es dazu in den Richtlinien. Um die Thematik von vielen Seiten zu beleuchten und schlussendlich bei allen die Überzeugung wachsen zu lassen, dass die Unterschrift die richtige Entscheidung ist, hatten sich die Organisatoren eine Reihe Unterstützer eingeladen, die am Vormittag verschiedene Workshops anboten: Vertreter der Initiative „Vielfalt Leben“, des SOS Kinderdorfs, des Vereins AufAndHalt und eine Geraer Sozialarbeiterin der Erstaufnahmestelle.
Das Einführungsreferat in der Aula hielt Thüringens Finanzministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin, Heike Taubert (SPD), die den Schülern der Klassen 5 bis 10 in zwei Unterrichtsstunden die Thematik „Flüchtlinge“ näher brachte. „Ich bin immer gern bereit, in diesen turbulenten Zeiten Kindern und Jugendlichen ein wenig Orientierung bei den vielen Fragen im Zusammenhang mit der Aufnahme von Flüchtlingen zu geben,“ begründete sie im Vorfeld ihr Engagement. Heike Taubert sprach in sehr verständlicher Art über die Menschen, die nicht aus Gründen des Studiums nach Deutschland kommen, sondern aus „eher traurigem Grund“. „Die Menschen wollen ihre Heimat nicht verlassen, sondern flüchten vor Krieg, Gewalt, Machtkämpfen und religiösen Konflikten.“ Auch in der Stadt Greiz gibt es seit 1990 eine Flüchtlingsunterkunft; waren es vor 25 Jahren vor allem Menschen, die vom Balkan kamen, sind es heute Syrer, Eritreer oder Afghanen. 820 Menschen – darunter 208 Kinder – habe der Landkreis Greiz bis November dieses Jahres aufgenommen, so Heike Taubert. Thüringenweit waren es im Jahr 2015 20.000 Flüchtlinge und in ganz Deutschland wird sich die Zahl auf etwa 1,2 Millionen belaufen. „Eine Herausforderung“, gibt die Vize-Landeschefin zu; auch gerade in Bezug auf die sprachliche Verständigung. Doch wie könne man sich diesen fremden Kulturen annähern? Die Geschichten des Glaubens, des Lebens und der Kultur zu erfahren, sei interessant; „Jeder Mensch gibt uns etwas aus seiner Geschichte mit.“
Heike Taubert erläuterte den Schülern, wie schwierig und kompliziert solch ein Asylverfahren ist – für die Dauer der Entscheidung bekommen die Flüchtlinge den Status der Aufenthaltsgestattung. In den Erstaufnahmeeinrichtungen – beispielsweise in Gera und Eisenberg – erhalten die Menschen ein Dach über den Kopf, Essen und Trinken sowie ein kleines Taschengeld. Nach drei Monaten dürften sie auch einer Arbeit nachgehen. Voraussetzung: dass sich kein deutscher Bürger für diesen Arbeitsplatz findet. Auch eine Schulpflicht besteht für die Asylbewerberkinder – ebenso können Kinder über 3 Jahren einen Kita-Platz beanspruchen. Kurse helfen beim Erlernen der deutschen Sprache. Wenn die Entscheidung im Bundesministerium gefallen ist, dürfen die Menschen entweder in Deutschland bleiben, oder müssen – bei einer Ablehnung – zurück in ihr Land. Wichtig sei, dass jeder Mensch gleich behandelt wird, unterstrich die Politikerin.
Zu den im Anschluss angebotenen Aktivitäten gehörte auch die Ausstellung „Asyl ist Menschenrecht“, in der sich die Kinder und Jugendlichen mit dem Thema Flucht, Gefahren und der Lage in Kriegs- und Krisengebieten auseinandersetzen konnten. Stefanie Weber von der Initiative „Vielfalt Leben“ führte durch die Exposition und gab dazu wichtige Erklärungen. Mit Interesse folgten die Sechstklässler und Pädagoge Gerhard Riemenschneider den Ausführungen. Im Unterricht habe man das Thema bislang noch nicht behandelt, so der Klassenlehrer; habe sich aber punktuell auf diesen Projekttag vorbereitet. „Das Projekt geht über den heutigen Tag hinaus natürlich weiter“, versicherte Schulleiter Dieter Linke. Besonders freue er sich, dass er Heike Taubert als Patin gewinnen konnte.

Antje-Gesine Marsch @22.12.2015

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