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Revolutionen verlaufen selten unblutig

Eröffnung der Sonderausstellung: „Die unblutige Revolution in Greiz“
Zahlreich kamen die Gäste zur Eröffnung der Sonderausstellung: „Die unblutige Revolution in Greiz“ ins untere Schloss.

Eröffnung der Sonderausstellung: „Die unblutige Revolution in Greiz“

GREIZ. Doch sie verändern den Lauf der Geschichte von Staaten und Menschen nachhaltig. Und nicht immer zum Guten für den einzelnen. Vor einhundert Jahren ereignete sich in Greiz eine friedliche Revolution. Der regierende Fürst Reuß dankte auf Verlangen seiner Untertanen ab am 10. November. Aus dem Fürstentum wurde ein Freistaat, der schlussendlich 1920 in den Freistaat Thüringen aufging. „Landeshauptstadt wurde Weimar“, erklärte Museumsdirektor Rainer Koch im Weißen Saal des unteren Schlosses „Erfurt war zu der Zeit preußisch.“
Rainer Koch entführte in seinem kurzweiligen Vortrag auf eine spannende Zeitreise. Fast alle Sitzplätze waren belegt im Weißen Saal. Neben dem Greizer Bürgermeister Alexander Schulze (parteilos), Landtagsabgeordneter Tischner (CDU) und den Mitgliedern des Fördervereins lauschten auch Besucherinnen und Besucher seinen Ausführungen. Er berichtete über das Leben am Hof während des Ersten Weltkrieges, der Rebellion der Matrosen auf dem kaiserlichen Großlinienschiff „SMS Thüringen“, die sich nicht in den letzten Kriegstagen als Kanonenfutter für einen sinnlosen Angriff verheizen lassen wollten. Aus dieser Revolte gingen die Matrosenaufstände 1918 hervor, die schließlich in der Novemberrevolution mündeten und den Kaiser zur Abdankung zwangen. Diese blieb in Greiz aber unblutig. Zwar kamen am 11. November 2018 auf Verlangen der Greizer USPD 60 Soldaten nach Greiz. Zu tun gab es für sie aber nichts. Lediglich zur Beibehaltung der Ordnung und Sicherheit war ihre Präsenz nützlich.
Auf vielen anschaulichen und mit viel Engagement hergestellten, interessanten Schautafeln erfährt der Besucher etwas über die Zustände Anfang des letzten Jahrhunderts in Deutschland und Greiz. Aber auch auf die aktuelle Geschichte findet man in der Ausstellung Rückschlüsse. In einem Raum sind alle Kriege aufgelistet, die seit dem Ende des Ersten Weltkrieges auf der Welt stattfanden oder auch heute noch stattfinden. Um alles entziffern zu können, braucht man als Besucher gute Augen. Denn die Schrift auf der Wand ist ziemlich klein. Danach verspürt die eine oder der andere vielleicht den Wunsch, mit Mitgliedern unserer aktuellen Regierung noch einmal hier herzugehen. Denn leider gibt es dort Minister und Ministerinnen, die deutsche Soldaten wieder in Kriege schicken wollen und von einem Kriegseinsatz in Syrien träumen.
Meinen Bericht möchte ich mit einem Zitat von Reinhard Mey beenden: „Der Krieg zerstört alle Menschen, auch die, die scheinbar mit heiler Haut nach Hause kommen, die mit heilen Knochen nach Hause kommen. Weil der Krieg die Seelen der Menschen zerstört. Das tut jeder Krieg… Der Krieg zerstört alle Menschen. Er entlässt nur die Bonzen heil nach Hause.“

René Kramer @01.10.2018

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