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Schauspielerei par excellence in Greizer Unteren Schloss

Welt-Uraufführung von Volker Müllers Stück »Der geschwätzige Gast« mit Begeisterung aufgenommen

GREIZ. Eine Welt-Uraufführung ist immer etwas ganz Spannendes. Noch dazu, wenn sie quasi vor der eigenen Haustür – im Weißen Saal des Unteren Schlosses – stattfindet und selbst Heinrich XIII. erwartungsvoll aus seinem Gemälde herab lächelt.

Der geschwätzige Gast, ist Nummer Drei einer Trilogie, die der Greizer Autor Volker Müller während seiner Arbeit an dem Robert-Schumann-Buch Die geschwinde Promotion schrieb. Das Stück bringt Schumanns Schwiegervater, Friedrich Wieck, und den ersten Biografen des Komponisten, Wilhelm Joseph von Wasielewski, auf Wiecks Alterssitz in Dresden-Loschwitz zusammen. Der alte Wieck freut sich sehr über den Besucher aus dem Rheinland; verspricht er sich doch, viel vom dortigen, in der Blüte stehenden Musikleben zu erfahren. Dass der Gast – gespielt von Autor Volker Müller selbst, der in seinem schwarzen langen Mantel samt Zylinder eine ausgezeichnete Figur machte – letztendlich gar nicht zu Wort kommt, sondern von den Tiraden des alten Wieck über seinen Schwiegersohn schier erschlagen wird und irgendwann entnervt und verängstigt die Flucht ergreift, macht das Zwei-Personen-Stück zum Dialog mit Monolog-Charakter. Wieck sinniert nicht nur über Robert Schumann, sondern auch über sein eigenes Dasein, dem Wilfried Pucher mit seiner brillanten schauspielerischen Leistung Authentizität und Leben einhauchte.

Dabei zieht er als Wieck kräftig vom Leder und lässt an seinem Schwiegersohn, dem dahergelaufenen Kaufmanns-Söhnchen aus Zwickau, elenden Randsachsen und Windbeutel von der Mulde zunächst kein gutes Haar; räumt aber dennoch ein, wenn es eine göttliche Satisfaktion und einen Extra-Himmel für Dichter und Komponisten mit zehn Plattformen gäbe, Robert Schumann mindestens auf Ebene Zwei erwachen würde. So stellt sich mir die Frage der Fragen: Wo wird in diesem Himmel der Gerechtigkeit unser Tollkopf hocken?, so Wieck überlegend.

Den frenetischen Schlussapplaus hatten sich Wilfried Pucher und Volker Müller wahrlich verdient. Ersterer, der in der Aufführung auch für die Regie verantwortlich zeichnete, für seine überragende Verkörperung des Klavierpädagogen Friedrich Wieck und Volker Müller, bescheiden wie immer, für das höchst vergnügliche Stück, das durch eine brillante Sprache bestach und selbst den feinen Humor nicht zu kurz kommen ließ. Ich habe mich zum Teil der Sprache des 19. Jahrhunderts bedient, wie Volker Müller ausführte und das einmalige Erlebnis, mit einem so profilierten Schauspieler wie Wilfried Pucher zusammenarbeiten zu dürfen, hervorhob. Wieck war ein Mann seiner Zeit, wie Pucher sagte, der das Stück eine Herausforderung für jeden Schauspieler nannte. Mit dem immensen Textpensum hatte sich der Mime seit Februar beschäftigt. Überwältigend und beeindruckend nannte Besucherin Reinhilde Machalett die Aufführung. Volker Müller ist inzwischen dem Dichter und Lyriker Reiner Kunze ebenbürtig, wie Harald Seidel befand.

Antje-Gesine Marsch 05.09.2010

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