Bildbeschreibung → v.l. Holger Steiniger, Jan Popp, Johanna Kühnast, Stephan Marek, Helgard Gothe, Almut Kaul, Gerd Grüner, Reinhilde Machalett, Marianne Weiß und Johann Peter Allner.

Stadt Greiz würdigt Hansgeorg Stengel

Mit einer Gedenktafel am Haus Schlossberg 10 würdigt die Stadt Greiz den Schriftsteller Hansgeorg Stengel

GREIZ. Mit einer Gedenktafel am Geburtshaus des Schriftstellers, Redakteurs und Kabarettisten Hansgeorg Stengel auf dem Schlossberg 10 würdigt die Stadt Greiz ihren berühmten Sohn.
Am Donnerstag wurde von Bürgermeister Gerd Grüner (SPD) und der Vorsitzenden des Ausschusses für Tourismus, Kultur und Soziales, Reinhilde Machalett (CDU) eine Gedenktafel enthüllt.
Die Idee dazu stammt von Helgard Gothe (Die Linke), die an diesem Morgen auch einige „neckische Verse“ des geborenen Greizers vortrug.
Bürgermeister Grüner lobte das Schaffen von Hansgeorg Stengel; zudem die guten Kontakte, die man auch nach seinem Wegzug nach Berlin pflegte und vor allem die „angenehmen Gespräche“ und Verse, die oft ein „Schmunzeln ins Gesicht brachten“.
Das Stadtoberhaupt bedankte sich bei den Mitgliedern des Ausschusses und der Greizer Freizeit-und Dienstleistungs GmbH, der Hausbesitzerin, die halfen, das Würdigen dieser hervorragenden Persönlichkeit auf den Weg zu bringen.

Hintergrund:
Am 30. Juli 2018 jährt sich zum 15. Mal der Todestag von Hansgeorg Stengel. Er war bekannt für seinen scharfen Wortwitz, mit dem er gegen die Sprachschludereien der Deutschen ins Feld zog: Stengel, geboren am 30. Juli 1922 auf dem Greizer Schlossberg 10 – verstorben am 30. Juli 2003 in Berlin.
Die Bände „Greizer Sonate“ und „Greiz und quer“, in denen Stengel Greizer Persönlichkeiten, Begebenheiten und Ereignisse näher beleuchtete, hatten die Stadt schon in den 1970er Jahren weit über die Landesgrenzen berühmt gemacht.
50 Bücher konnte Hansgeorg Stengel in seinem Leben veröffentlichen, darunter solche Klassiker wie „So ein Struwwelpeter“, „Stenglisch for you“ oder „Rettet dem Dativ“. Er schrieb die Kolumne „Wortadella“, erfand die Kreuzwörträtsel für Querdenker“, schrieb mit „Annasusanna“ das wohl erste Buch, das man sowohl von vorn nach hinten als auch umgekehrt lesen konnte und bereiste zudem als Kabarettist die Republik von Nord nach Süd.
Im Fernsehen der DDR allerdings vermisste man ihn, da er darauf bestand, sich nicht in sein Manuskript hineinreden zu lassen. Stengel galt als eigenwillig und zudem mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein ausgestattet: „Ich bin mir sehr sympathisch“ oder „Ich hänge sehr an mir“ gehörten zu den Lieblingszitaten des Autors.
Bereits im Jahre 1950 hatte er Greiz den Rücken zugewandt, um beim „Eulenspiegel“ – damals noch „Frischer Wind“ – in Berlin zu arbeiten.
„Mit Schrubber und Besen“ titelte sein erstes Buch, das im selben Jahr erschien.
Seit 1959 war Hansgeorg Stengel als freier Redakteur und Kabarettist tätig. 150 Auftritte und 30000 gefahrene Kilometer konnte der „Schriftsteller im besonderen Einsatz“ in einem Jahr nachweisen. „Er teilte gern aus, konnte aber auch damit umgehen, wenn man ihm einen einschenkte“, urteilte der Schriftsteller Peter Ensikat in einem Interview.
Besonders die Sachsen hätten oft im Fokus seiner humoristischen Betrachtungen gestanden.
„Sie haben keine Sprache, lediglich ein Signalsystem“, wie es Stengel formulierte.
Ein einziges „Signal“, das einem „Klingeln“ ähnlich sei, könne vier Bedeutungen haben. Beispielsweise „Lähm“. Es könne „Lehm, Leim, Leben oder Löwen“ bedeuten.
Für den selbsternannten „Meister des Eigenlobs“ war auch das Wort „Wende“ viel zu unpolemisch. Er nannte sie „Heimholung“.
Bekannt wurden auch seine Betrachtungen über die Raumfahrt im Vogtland: „Ich stand auch auf der Liste der kosmischen Kandidaten – Schießt den Stengel auf den Mond!”
In den letzten Lebensjahren hatte der Wortpolizist der Rechtschreibreform den Krieg angesagt; schließlich betraf sie ihn selbst: „Ich lasse mich nicht verumlauten“. So wurde Hansgeorg kein Stängel.
Er schrieb auch nach Einzug des technischen Fortschrittes seine Texte weiterhin auf einer alten „Erika“-Schreibmaschine, besaß kein Handy, war ständig auf der Suche nach vierblättrigen Kleeblättern, spielte leidenschaftlich gern Klavier und schaute in jeden Kinderwagen.
Die Stadt Greiz hatte Hansgeorg Stengel anlässlich seines 75. Geburtstages im Jahr 1997 die Bürgermedaille in Silber verliehen; für die Ehrenbürgerschaft reichte es allerding weder in Greiz noch in Berlin.

Antje-Gesine Marsch @18.05.2018

Werbeanzeigen

Schreibe einen Kommentar