Vom Bubikopf zur Haarverlängerung

Friseursalon Schwabe begeht 100. Jubiläum. Drei Generationen arbeiteten im Geschäft.

GREIZ. Wir schreiben das Jahr 1911 – jenes Jahr, in dem Roald Amundsen den Südpol erobert, das Porträt der Mona Lisa aus dem Pariser Louvre gestohlen wird und Marie Curie den Nobel-Preis für Chemie erhält. Jenes Jahr 1911 wird ebenso in die Annalen der Familiengeschichte Schwabe aus Greiz eingegangen sein.

Da eröffnete Walter Schwabe in der Reichenbacher Straße 46 sein Friseurgeschäft, in dem es heute – nach sage und schreibe 100 Jahren – immer noch zu finden ist. „Er war nach dem Ersten Weltkrieg einer der ersten Meister, die den Bubikopf mitgestalteten“, kann man aus der Chronik erfahren, die momentan anschaulich bebildert in einer kleinen Ausstellung im Salon zu sehen ist.
Am Sonnabend gaben sich Kunden, Geschäftspartner, Nachbarn und Freunde die Klinke in die Hand, um Friseurmeister Horst Schwabe, seit 1981 Inhaber des Friseursalons, ihre Glückwünsche zum 100-Jährigen auszusprechen. Der Enkel von Walter Schwabe übernahm von dessen Sohn Heinz den Salon.

Schon dieser hatte eine innovative Ader bewiesen und entwickelte gemeinsam mit dem Greizer Ingenieur Heinz Weiß, Inhaber der gleichnamigen Firma, die später als VEB Feutron bekannt wurde, das erste mechanische Haarprüfgerät, das sowohl in der DDR, als auch in der BRD patentiert wurde. 1987 schuf sich dann Sohn Horst mit einem der ersten privaten Kosmetiksalons mit Solarium ein weiteres Standbein.
Seit 1998 zeichnet sich Schwabes damalige Lebensgefährtin und heutige Ehefrau Yvonne für die Schönheit ihrer Kundinnen verantwortlich; seit Oktober 2005 bietet Horst Schwabe in seinem Salon auch Nagelmodellage und Nageldesign an. „Zu 80 Prozent besteht unsere Kundschaft aus Stammkunden“, erzählt Yvonne Schwabe. Das konnte Martina Junge bestätigen. Seit 30 Jahren besucht die Greizerin den Salon, und war immer sehr zufrieden, wie sie versicherte.

Zu den zahlreichen Gratulanten gehörten auch die „beiden Ursels“, wie Yvonne Schwabe lächelnd vorstellte. Ursel Köhler hatte 16-jährig als Hauswirtschafterin im Jahr 1945 ihre Tätigkeit im Friseursalon begonnen. Nach drei Jahren war dann eine Friseurstelle frei, die sie bis 1993 bekleidete. Ursel Hupfer arbeitete seit 1956 40 Jahre im Salon und lernte alle drei Generationen
von Meistern kennen.

Rückblickend denken beide Frauen an eine „harte, aber schöne Zeit“. Nach dem Zweiten Weltkrieg hätte man nur wenig Geld verdient, so dass für Friseurbesuche nichts übrig geblieben sei. Das habe sich Ende der 1950-er Jahre aber geändert: „Von da an ging’s aufwärts“, so die beiden Friseurinnen. „Die Leute standen hier Schlange“, wie sich auch Falk Meißner erinnerte. Besonders gern denken die beiden „Ursels“ an die Familienfeierlichkeiten, die man gemeinsam beging – vor allem aber an den Heiligen Abend. „Wir tranken gemeinsam Kaffee und zogen dann im Haus von Tür zu Tür, um weihnachtliche Grüße zu überbringen.“ Heute ist der Friseursalon Schwabe ein reines Familienunternehmen.

Horst Schwabe, der in den 1970-er Jahren auf dem FDGB-Traumschiff, der MS „Völkerfreundschaft“, Erfahrungen sammeln konnte, ist für die modernen Frisuren, inklusive Stil- und Typberatungen seiner Kundinnen verantwortlich, wobei Dauerwelle, Färben und Haarverlängerungen ganz oben auf der Hitliste stehen. Ehefrau Yvonne, ausgebildete Kosmetikerin, kümmert sich indes um die Schönheit ihrer Kundschaft.
„Auch die Fußpflege ist hier sehr zu empfehlen“, wie der Greizer Peter Jahn beteuerte, der sich in die Schar der Gratulanten einreihte.

Antje-Gesine Marsch @24.09.2011