Vorstellung der neuen Verkehrskonzeption in der Greizer Altstadt

Vorstellung der neuen Verkehrskonzeption in der Greizer Altstadt
Tobias Schönefeld vom planenden Ingenieurbüro Dresden erklärte das Konzept – rechts Bürgermeister Gerd Grüner

Etwa 150 Gäste kamen zur Infoveranstaltung in die Vogtlandhalle

GREIZ. Sehr gut besucht war die Veranstaltung am Dienstagabend im Großen Saal der Vogtlandhalle, als Bürgermeister Gerd Grüner (SPD) die neue Verkehrskonzeption für die Greizer Altstadt vorstellte. Als offizielle Vertreter und Beteiligte waren außerdem zugegen: Herr Lüder, Amtsleiter Straßenbauamt Ostthüringen, Gera; Herr Taut, Landratsamt Greiz, Leiter der unteren Straßenverkehrsbehörde; Herr Kunow, Landespolizeiinspektion Gera, SB 3 Verkehrsaufgaben; Herr Schönefeld, Planungsbüro Dr.-Ing. D. Hunger – Stadt – Verkehr – Umwelt, Dresden; Herr Förster, Stadtverwaltung Greiz, Bauamtsleiter und Herr Obenauf, Stadtverwaltung Greiz, Sachgebietsleiter Stadtplanung.

Zeitgleich mit der Verkehrsfreigabe der August-Bebel-Straße am 17. November, um 17 Uhr wird die neue Verkehrslösung eingeführt, wie Gerd Grüner wissen ließ. Bereits vor fünf Jahren sei dieser eine kontroverse Diskussion vorangegangen. Damals sei allerdings noch nicht absehbar gewesen, dass man mit Mitteln des Konjunkturpaketes II die Bebelstraße komplett sanieren könne; dadurch sei die Altstadt-Diskussion zunächst zurückgestellt bzw. intern weitergeführt worden. Anhand der gewonnenen Erfahrungen mit der veränderten Verkehrsorganisation in der Altstadt während der Vollsperrung der August-Bebelstraße wurde in Fortführung des Verkehrskonzeptes Altstadt 2009 eine Kompromissvariante erarbeitet, die zum einen die Freigabe der Marstallstraße in beide Richtungen und zum anderen eine Verkehrsentlastung in der Altstadt ermögliche, erklärte der Bürgermeister.

Tobias Schönefeld schilderte anschließend im Detail, welche Regelungen die neue Verkehrslösung umfasst. Ein Novum ist der Beidrichtungsverkehr in der Marstallstraße, wobei im Bereich der Engstelle die bergwärtige Fahrtrichtung Vorrang habe. Aus Richtung Obere Silberstraße kommend wird das Linksabbiegen fortan zugelassen. In den Spitzenstunden wird es durch die Knotenpunktzufahrten Obere Silberstraße/Pohlitzer Weg zu erheblichem Rückstau kommen, gab der Planer zu bedenken, unterstrich aber auch die Worte von Gerd Grüner, dass diese Verkehrsführung eine Kompromisslösung sei. Wie Tobias Schönefeld sagte, würden 11000 bis 12000 Fahrzeuge täglich diese Straße frequentieren; 3500 davon würden in die Thomasstraße abbiegen: Die Begegnung an der Engstelle ist möglich und kann funktionieren. Das erfordere Rücksichtnahme, man probiere es aber – mit der Option nachzuarbeiten aus. Dass die Engstelle keine Dauerlösung sei und nicht das Optimum darstelle, verschwieg der Experte nicht. Seit Jahren liefen Bestrebungen, das Gelände am Marstall zu veräußern und ein Marstall-Zentrum zu errichten. Ein Mini-Kreisverkehr an der Engstelle sei dabei durchaus in den Überlegungen enthalten.

Die Einbahnstraßenführung im Zuge der Thomas-und Marienstraße werde beibehalten, erklärte Schönefeld weiter; zudem werde dort ein verkehrsberuhigter Geschäftsbereich (Tempo-20-Zone) eingerichtet. Die PKW-Stellplätze im Bereich Brückenstraße/Baderei werden als Taxi-bzw. Behindertenstellplätze umgenutzt. Außerdem würden die Sperrketten am von-Westernhagen-Platz wegfallen, was eine größere Parkmöglichkeit darstelle. Eine Sperrung der Verbindungsgasse zwischen Kirchplatz und Dr.-Scheube-Straße und Thomasstraße sei ebenfalls im Konzept enthalten. Aufgrund der Straßenschäden in der Marienstraße werden die Stellplätze aufgehoben; ebenso entfallen die Parkmöglichkeiten in der Thomasstraße. Um die Verkehrssicherheit auf dem Schulweg (Goetheschule/Förderzentrum) zu erhalten, gebe es aber die Möglichkeit des Haltens im Bereich der Einrichtung.

Zur anschließenden Diskussion meldeten sich zahlreiche Greizer Bürger zu Wort. So zum Beispiel Peter Kniebel, der von Beginn an Probleme gesehen habe, wie er ausführte. Er widersprach dem Bürgermeister, dass die Stadt Greiz Flair habe und nannte die Entscheidung zur Verkehrsberuhigung der Innenstadt komplett falsch. Dem widersetzte sich Tobias Schönefeld heftig. Die Parkmöglichkeiten am Elsterufer oder den Parkhäusern würden ausreichend Parkflächen bieten und kurze Wege in das Zentrum sichern. Als nachdenkenswertes Beispiel nannte er den Neefe-Park in Chemnitz, wo man mitunter zehn Minuten Fußweg in Kauf nehmen würde, um in das Einkaufszentrum zu gelangen. Jan Popp (IWA) bemängelte, dass Reisebusse Touristen vor dem Unteren Schloss abladen würden und dort nicht stehenbleiben dürften. Bürgermeister Grüner gab zu bedenken, dass der Fußweg in die Post-bzw. Breitscheidstraße akzeptabel sei.

Gerd Grüner versäumte nicht, die Veranstaltungsbesucher abschließend herzlich zum großen Eröffnungsfest am Sonnabend, den 17. November in die August-Bebel-Straße einzuladen.
Bereits zu Veranstaltungsbeginn hatte das Stadtoberhaupt allen Verkehrsteilnehmern gedankt, dass die letzten beiden Jahre des Umleitungsverkehrs so diszipliniert verliefen und man sehr rücksichtsvoll miteinander umgegangen sei.

Antje-Gesine Marsch @06.11.2012

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2 Kommentare zu Vorstellung der neuen Verkehrskonzeption in der Greizer Altstadt

  1. Ich kann die Einzelhändler verstehen, dass sie sich Sorgen um ihre Existenz machen. Ich halte die Idee die Thomasstraße in der jetzigen Verkehrsführung weiter zu bestehen lassen für den falschen Ansatz. Nicht nur der ständige Umweg über die Marienstrasse und Friedhofstrasse ist weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll, auch der marode Straßenzustand der Marienstrasse und der Friedhofsttrasse wird dadurch nicht besser. Man sollte doch wenigstens über 3 Alternativen nachdenken:
    1. Die Thomasstrasse ab Tiefgarage Kinocenter für den Verkehr in beide Richtungen zu öffnen.
    2. Den kleinen Wegabschnitt Westernhagenplatz/Tiefgarage Altstadtgalerie öffnen.
    3. Die Strasse Krankenhaus/Wichmannstrasse für den Allgemeinverkehr zu öffnen.
    Es macht doch keinen Sinn eine verkehrsberuhigte Innenstadt zu haben, wenn sich keine Leute mehr in derselben befinden.

  2. Fußgänger sind auch Verkehrsteilnehmer – ich vermisse Aussagen der Verkehrsplaner zu Fußgängerampeln z.B. in der Marstallstraße, oder bleibt da etwa das Provisorium stehen? Aber es war leider schon immer so, Hauptsache die Autofahrer haben es bequem.

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