Nachhaltig denken

Weinselige Runde mit Dr. Georg Prinz zur Lippe
Dr. med. Andreas Steudel (l.) überreicht dem Prinzen eine Flasche fränkischen Weines.

Weinselige Runde mit Dr. Georg Prinz zur Lippe im Weißen Saal des Unteren Schlosses
GREIZ. Nach der offiziellen kam die gemütliche Runde. Dass ein Vortrag über ein Weingut mit einem edlen Tropfen gekrönt wird, schien für den Referenten Dr. Georg Prinz zur Lippe selbstverständlich; reiste er doch mit etlichen Kühlbehältern mitsamt kostbarem Inhalt in Greiz an. Am Dienstagabend war der Besitzer des Weingutes Schloss Proschwitz nahe Meißen Gast der Veranstaltungsreihe Prominente im Gespräch im Weißen Saal des Unteren Schlosses. Zunächst führte der Prinz in einem geschichtlichen Exkurs in die Geschichte der Familie zur Lippe ein: Sie war bis 1918 eines der regierenden Fürstenhäuser Deutschlands, seit dem 18. Jahrhundert in Sachsen ansässig und zählte zu den bedeutendsten Unternehmerfamilien des Landes. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Familie zur Lippe entschädigungslos enteignet, inhaftiert und schließlich in den Westen ausgewiesen. Nach der politischen Wende in der DDR kaufte Dr. Georg Prinz zur Lippe schrittweise das Weingut Schloss Proschwitz vom Staat zurück und baute das älteste Weingut Sachsens zum größten Weinbaubetrieb in den neuen Bundesländern aus. Auch Schloss Proschwitz, in dem er heute mit Frau und Sohn wohnt, wurde von ihm vor fünfzehn Jahren zurückgekauft und völlig saniert. Nun laden das Restaurant Lippe`sches Gutshaus ein; Ferienwohnungen, Tagungsräume sowie eine Vinothek runden das Angebot auf dem Anwesen des Schlosses ab. Konzerte finden ebenso statt wie die beliebte Veranstaltung Parklust oder der traditionelle Weihnachtsmarkt. Dass der Prinz trotz seines blauen Blutes nicht mit dem goldenen Löffel aufgewachsen ist, verschwieg er in seinem kurzweiligen Vortrag nicht. Nach der Enteignung erlebte die Familie unsägliches Leid, musste ohne Papiere und einen Pfennig Geld die Heimat verlassen und quasi beim Nullpunkt beginnen. Unverwüstliches Gottvertrauen gab der Familie Halt, diese schwere Zeit zu überstehen und durch die Kraft und Unermüdlichkeit des Vaters, der für fünf kleine Kinder zu sorgen hatte, wieder Fuß zu fassen. Pinsel-Prinz nannten ihn die Leute, als er Mitte der 1950er Jahre mit einem alten Motorrad durch die Gegend fuhr, um Farben und Pinsel zu verkaufen. Georg, Jahrgang 1957, wollte eigentlich Arzt werden, studierte aber Agrar- und Betriebswirtschaft; absolvierte ein Aufbaustudium zum Wirtschaftsingenieur und war als Unternehmensberater tätig. 1991 promovierte er zum Doktor der Ökonomie.
Es gibt kein Mittelmaß. Alles was Du machst, muss herausragend sein bekam er von seinem Vater mit auf den Lebensweg und praktiziert das bis in die Gegenwart. In seinem Unternehmen setzt Dr. Georg Prinz zur Lippe auf Nachhaltigkeit, Tradition, Innovation und vor allem Menschlichkeit. Die Einbeziehung der Angestellten in das Unternehmen sowie die Identifikation des Produktes mit dem Betrieb stellt der Prinz in den Mittelpunkt seines unternehmerischen Tuns. Tradition zu bewahren geht nicht ohne Kraftaufwand, weiß der engagierte Mann, der 2006 Unternehmer des Jahres wurde.
Dass der Blaublütler eine Menge Humor hat, bewies er mit den Schilderungen, die wahrlich nicht immer heiteren Ursprungs waren. In herrlichstem Sächsisch gab er die Begebenheit wieder, als er kurz nach der Wende vor dem LPG-Vorsitzenden, der Hauptbuchhalterin und Vertretern der ruhmreichen Brigade des ehemaligen VEB Weingutes den Kaufvertrag unterzeichnete und der befreundete, bevollmächtigte Anwalt sich an den Kopf greifend verärgert den Heimweg antrat. Es ist sicher auch die Suche nach den Wurzeln, die mich umtrieb, mich auf dieses Abenteuer einzulassen, von dem mir mein Vater im Grunde abgeraten hatte, gab der Prinz zu.
Der Abend wurde musikalisch von Konzertpianistin Sarah Stamboltsyan gestaltet.

Antje-Gesine Marsch @29.05.2012