Zum 40. Todestag von OMR Prof. Dr. Albert Kukowka

Prof. Dr. Dr. Albert Kokowka
Prof. Dr. Dr. Albert Kokowka Foto: Archiv Kreiskrankenhaus

Am 8. November jährte sich der Todestag von OMR Prof. Dr. Albert Kukowka, langjähriger Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Inneren Abteilung des Kreiskrankenhauses Greiz zum vierzigsten Mal

GREIZ. Gestern jährte sich der Todestag von OMR Prof. Dr. Albert Kukowka, langjähriger Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Inneren Abteilung des Kreiskrankenhauses Greiz zum vierzigsten Mal.

Albert Wilhelm Kukowka wurde im Jahr 1894 in Sohrau/Oberschlesien geboren und studierte nach dem Abitur in Breslau, Krakau, Greifswald und Wien. Von 1925 bis 1938 war er als Arzt in Kattowitz tätig – nach Wechseln des Wohnsitzes praktizierte er von 1939 bis 1945 als Kurarzt und Chefarzt in Karlsbad.
Am 1. August wurde Albert Kukowka zum Ärztlichen Direktor des Kreiskrankenhauses Greiz berufen.

Besondere Verdienste und Kenntnisse erwarb sich der Arzt auf dem Forschungsgebiet der Poliomyelitis.

Kinderlähmung – diese schreckliche Krankheit, die um 1900 ihre weltweite Offensive begann und in schneller Folge fast alle Länder der Welt ereilte, war in Greiz und Umgebung relativ unbekannt. Zwar war nach dem 2. Weltkrieg in Berlin eine Epidemie ausgebrochen, die über 2000 Opfer forderte, doch erfuhr man hier wenig darüber. Erst im Juli 1951, als in Neugernsdorf ein großes Sportfest gefeiert wurde, wussten die zahlreichen Gäste, die sich mit „Auf Wiedersehen, an diesen Tag werden wir noch lange denken“, voneinander verabschiedeten, noch nicht, wie recht sie hatten: viele sahen sich bald im Greizer Krankenhaus wieder.

Ein zwölfjähriges Mädchen, das an diesem Tag mit Fieber im Bett lag, war an einer Poliomyelitis erkrankt und löste eine Epidemie in Neugernsdorf aus, die bald auch Daßlitz, Tschirma und viele andere Orte erreichte; am 29. Juli brach sie in Greiz aus. Die ersten Alarmnachrichten erhielt das Greizer Krankenhaus von Dr. Müller, dem Neumühler Arzt, der die heimtückische Krankheit erkannte und dafür sorgte, dass die gefährlichen Seuchenherde nach Möglichkeit abgeriegelt werden konnten.

Bei dieser durch Polioviren hervorgerufenen Infektionskrankheit, die die muskelsteuernden Nervenzellen des Rückenmarks befällt, kommt es zu bleibenden Lähmungserscheinungen, die bis zum Tode führen können. Das Greizer Krankenhaus war von Anfang an allen Anforderungen voll und ganz gewachsen, wie der seit 1946 tätige ärztliche Direktor Prof. Dr. Dr. Albert Kukowka in einem Aufsatz schrieb.
Ärzte und Schwestern seien oft tage-und nächtelang im Einsatz gewesen, um den „lawinenhaft anschwellenden Strom der Kranken zu bewältigen“. „Die Behandlungserfolge waren als recht befriedigend zu bewerten“, wie der Mediziner resümierte.

Die Greizer Epidemie habe den ärzten, nicht nur in Greiz sondern „auch anderswo“ eine große Reihe wertvoller Erfahrungen und wissenschaftlich neuer Erkenntnisse vermittelt. „Im Jahr 1951 gab es kein spezifisches Heilmittel gegen die Poliomyelitis“, schrieb Prof. Kukowka. „Neu war vor allem an den Verfahren, die in Greiz angewendet wurden, dass sie im Gegensatz zu den bisher üblichen Ansichten möglichst frühzeitig während des akuten Stadiums einsetzten.“ So seien beizeiten Überwärmungsbäder, Unterwassermassagen oder Wassertretbäder in einer schnell im Infektionskrankenhaus improvisierten Bäderabteilung durchgeführt worden; Maßnahmen, die bislang als „streng verpönt“ galten. Diese brachten jedoch den Greizer Initiatoren unerwartet guten Erfolg. Alle Kranken wurden durch den erfahrenen Greizer Orthopäden Prof. Dr. Göcke von Anfang an betreut“, so der ärztliche Direktor.

Die kunstgerechte Lagerung der Glieder vom ersten Tag an trug reiche Früchte, so dass die sonst in großer Anzahl vorkommenden Fehlstellungen von Gliedmaßen auf ein Minimum reduziert wurden. Aufgrund der Greizer Erfahrungen und vieler grundlegender Verbesserungsvorschläge wurde das erste in der damaligen DDR gebaute, schwerfällige Modell einer Eisernen Lunge weitgehend umkonstruiert. Sehr bald wurde – ganz speziell auf Initiative des Greizer Krankenhauses – eine völlig neue Eiserne Lunge von einer Leipziger Firma auf den Markt gebracht.
Die neue „Medilunge“ wurde erstmalig am Greizer Krankenhaus auf ihre praktische Brauchbarkeit geprüft, ehe der Serienbau begann. Aus Greiz stammten auch die ersten Vorschläge für die Realisierung transportabler Eisernen Lungen in Spezialautos. Als im Jahre 1952 ein neues Verfahren zur Behandlung der mit Recht gefürchteten poliomyelitischen Atemlähmungen erfunden wurde, waren es Greizer Ärzte, die als erste in der damaligen DDR die neue Methode einführten.

Die erste Apparatur zur sogenannten „intratrachealen Wechseldruckbeatmung“ für Atemgelähmte erhielt das Greizer Beatmungszentrum. Anfang der 1970er Jahre zählte es schließlich zu den modernsten Europas. Somit wurde auch die „Eiserne Lunge“ entthront, wie Prof. Kukowka berichtete. In jedem Fall einer Atemlähmung wurde nun die intratracheale Methode angewandt.

Greizer Ärzte vermittelten ihre Erfahrungen in über sechzig Vorträgen und Kursen im Inland, ferner in Kolloquien, unter anderem in der CSSR, Dänemark, England, Frankreich und der Schweiz.

Aus Greiz stammen etwa 100 Veröffentlichungen über Poliomyelitis. „Den Greizer Bemühungen ist es auch zu verdanken, dass Wissenschaftler und Poliomyelitisexperten auf internationalen Kongressen und in internationalen Gesellschaften eine gleichberechtigte Stellung und Stimme einnehmen konnten“, äußerte Prof. Kukowka einmal.

Aufgrund der konsequenten Impfung gilt die Kinderlähmung heute in Deutschland offiziell als ausgerottet.

Antje-Gesine Marsch @09.11.2017

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