Zum 80. Geburtstag von Wilfried Pucher

Pucher und Hirsch: Zwölf Fuß Wasser unterm Kiel
Wilfried Pucher als Samuel Langhorn Clemens alias Mark Twain.

„Ich war der Chief Mate“ – Der Schauspieler Wilfried Pucher aus Hainsberg wird 80 Jahre alt

HAINSBERG/GREIZ. Landwirt, Schauspieler, Bildschirmheld. Vieles lässt sich über Wilfried Pucher erzählen, der im Januar 1977 in der Rolle als Chief Mate des Motorschiffes „Johann Gottlieb Fichte“ über die Mattscheiben der DDR-Fernsehzuschauer flimmerte und sich damit einen Platz in den Herzen vieler Millionen Menschen eroberte. Dabei war es nur eine von über dreihundert Rollen, in denen

der sympathische und bodenständige Künstler als Darsteller im Kino, im Fernsehen und auf der Bühne brillierte.„Wilfried Pucher ist ein besonders wahrhaftiger Schauspieler. In den vielen Rollen im Fernsehen, beim Film und am Theater, mögen es große oder kleine gewesen sein, gab es von ihm nie einen falschen Ton. Im Gegenteil, wenn Wilfried spielte, dann spielte er die Hauptrolle.“ sagt Erfolgsregisseur Celino Bleiweiß über seinen Freund.

Dabei war es dem am 10. Juli 1940 in Hainsberg geborenen Sohn einer Bauernfamilie nicht in die Wiege gelegt, einmal auf Bühnen und vor Film- und Fernsehkameras zu arbeiten. Landwirt sollte und wollte er werden, den elterlichen Bauernhof, auf dem er heute noch zuhause ist, nie verlassen.

Eher zufällig gelangte er als Amateur an das Arbeitertheater Greiz, sammelte erste Bühnenerfahrungen und bewarb sich dann, auf den Rat des Schauspielers Lutz Erdmann hin, an der Schauspielschule in Berlin.

„Ja, Versuch“ notierte nach dem Eignungstest jemand auf dem bereits vorbereiteten Personalbogen.

Das aus diesem „Versuch“ dann ein bewegtes Schauspielerleben wurde, das 1963 am Theater in Gera begann, ahnte sein heute noch als Ehrenbürger in Langenwetzendorf lebender Lehrer Theo Kühnel sicher sehr früh. Er freut sich, „dass aus dem Kerl wirklich etwas geworden ist.“ und fügt hinzu: “Zweifel daran hatte ich nie.“

Er und viele andere, Schauspieler, Regisseure und ein Kapitän kommen in dem Buch „Ich war der Chief Mate“ zu Wort, das Wilfried Pucher sich selbst zum 80. Geburtstag zu Geschenk gemacht hat. Darin erinnert er sich an viele Jahrzehnte Film-, Fernseh- und Theaterarbeit. Spannend, interessant und mit leichter Feder werden Geschichten erzählt, die den Leser vor allem auch hinter die Fernsehkameras und Bühnenvorhänge führen.

Gleichsam als Zugabe enthält die neue Produktion neben vielen Fotos auch das komplette von Wilfried Pucher selbst geschriebene Tagebuch, in dem die Dreharbeiten zur Fernsehserie „Zur See“ während der Kuba-Reise der MS „Johann Gottlieb Fichte“ im Jahr 1974 aus seiner ganz privaten Sicht geschildert werden.

Wilfried Pucher hat privat und beruflich viel von der Welt gesehen, zuhause war er allerdings immer in Hainsberg.

Schauspielerin Christine Schorn, Freundin seit der gemeinsamen Studienzeit in Berlin sagt über ihn: „Zeitlebens ist er immer beides geblieben: Ein bodenständiger Landwirt und ein leidenschaftlicher Schauspieler.

Ein theatergerechtes „Toi, Toi, Toi!“ zum 80. Geburtstag, lieber Wilfried Pucher!

Michael Schuster @10.06.2020